Begegnungen: Der Student

Ich habe mich zwei Stunden vorbereitet. Mich gebadet, sorgfältig ein Kleid ausgewählt, nach schönen Strümpfen gesucht. Ich habe mir Mühe gegeben meine Haare zu föhnen, normalerweise halte ich mich mit so etwas nicht auf. Ich habe etwas MakeUp aufgelegt, meine Nägel lackiert. Ich bin bereit und meine Illusion ist intakt.
Du öffnest mir die Tür. Ich trete über die Schwelle und bin fünf Jahre zurück versetzt. Als noch alles in der Schwebe war, die Träume noch nicht aufgeweckt, das Leben dennoch in einer Zwischenwelt. Noch nicht ganz entpuppt.
Du wohnst in einer WG, im Vorbeigehen schaue ich in die Küche. Leere Getränkeflaschen, dreckige Töpfe, alte Pizzaschachteln. Wir stehen vor deinem Zimmer. Der Flachbildschirm des Fernsehers dekoriert die kahle Wand. ProSieben, Du schaltest auf stumm. Darunter die Kommode, offene Schubladen, ich weiß jetzt was du drunter trägst.
Das Bett ist zerwühlt, bist Du gerade erst aufgestanden?  Dein Atem riecht danach. Du bietest mir an mich zu setzen. Es gibt nur das Bett, im Hintergrund flackert das Fernsehbild. In der Wohnung ist es still. Die Krümel auf deinem Laken bohren sich durch den Stoff meines Kleides und die zarten Strümpfe. Die Luft ist abgestanden, dein Blick wandert immer wieder von mir weg zum Fernsehbild. Du hast nichts zu erzählen, ich habe dir nichts zu sagen. Du bietest mir Wasser an, aus der Flasche neben meinem Bett.
Meine Starre taut, ich muss gehen. Drei Stunden für dich. Schal, wie das Wasser neben deinem Bett.

 

Begegnungen: Start einer neuen Textreihe

Liebe Leserinnen und Leser,
ich starte ab sofort mit einer neuen Reihe von kurzen Texten, die ich “Begegnungen” nennen werde. In den Begegnungen porträtiere ich die Intimität zwischen zwei Fremden und das Farbenspiel eines unbeschriebenen Blattes. Ich möchte hier eigene Erlebnisse, gehörte Erzählungen und auch kreative Freiheit in diese Geschichten einfließen lassen. Will heißen, einiges habe ich erlebt, einiges hat jemand anders erlebt, einiges hat nur in meiner Phantasie stattgefunden. Dichtung und Wahrheit geben sich also die Hand, sollte sich dennoch jemand erkennen – willkommen. Ich erzähle in dieser Reihe immer aus der Ich-Du-Perspektive, das bereitet mir die größte Freude. Euch allen wünsche ich ebenso viel Freude allen mit den Begegnungen. Wer inspiriert ist, selbst zu erzählen, der kann das gerne in den Kommentaren oder per Nachricht an mich tun. Wer noch mehr wissen will, findet im Update 2017 noch ein paar Häppchen.

Echo

Ich habe heute von Dir geträumt,
ein Echo der gemeinsamen Jahre.
Ein Widerhall des Gefühls füreinander,
ineinander verschlungen.

Im Traum warst Du nah,
im Leben schon weit entfernt.
Deine Arme gaben Halt,
Dir selbst in diesem Gefühl.

Im Echo verschwimmt,
was damals war.
Dass es nie das war,
was wir uns wünschten.

Du warst bei mir,
wir waren eins.
Sahen einander,
waren wir.

Die Klänge aus unserem Leben,
solo für uns,
verwoben erst im Nachklang.

Ich bin aufgewacht,
aus diesem Echo,
was Wunsch war.
Den wir beide
uns nicht erfüllen konnten.

Und doch lausche ich dem Widerhall,
und finde ihn schön.

Schutzbefohlen

Ich habe mich der Welt
mit Schmerzenslust gestellt.

War einsam in meiner Suche
nach Nähe in fremden Armen.

Habe nach einer anderen Hälfte gesucht,
und mich unvollständig gefühlt.

Sah den Mangel an Fürsorge,
und die enttäuschten Erwartungen
in vielen Wegbegleitern.

Bis ich entdeckte, dass ich nicht eins bin,
dass in mir Facetten schillern und mein Leben
Freiheit ist, diese in ihrer Fülle zu leben.

Und ich meine Arme wurde, in denen ich
Trost finde und Glück spende.
Mir selbst schutzbefohlen bin,
und Kraft schöpfe.

Jeden Tag aufs Neue.
Das wunderbare Leben.

In dem ich stehe,
fest,
frei.

Was es ist

Es sind die Jahre, die mir zeigen,
wer ich bin, wenn ich ganz bei mir bin.

Es sind die Erfahrungen, die mich lehren,
worauf es mir ankommt, wenn ich Ich bin.

Es sind die Menschen, die mich begleiten und die mich verlassen,
durch die ich weiß, welche Begegnungen mich stärken.

Es sind die Momente, in denen sich Klarheit so glasklar Bahn bricht
und ich erkenne, was mir wirklich wichtig ist.

Es ist die Norm, der ich manchmal entspreche und manchmal nicht,
an der ich sehe, wann ich außergewöhnlich bin.

Es ist das Leben,
was sich langsam aber stetig vor mir entfaltet.
Und in dem ich jeden Tag ein Stück mehr von mir sehe,
und ein bisschen näher bei mir bin.

Es ist die Dankbarkeit,
für all die Chancen, die mir mein Leben bietet,
für all den Schmerz, der Platz für die Freude schafft,
nicht zu wissen, was morgen sein wird.

Textnachrichten

Ich starte entschleunigt in das Wochenende. Mein Zug hat schon jetzt 15 Minuten Verspätung.

Eben stieg die Schützenfest-Männertour auf Ausgang zu. Hat Bier und Mettbrötchen mit Zwiebeln im Gepäck. Die Gespräche schrauben sich in ungeahnte Höhen, man schwelgt im Zwiebeldunst in Erinnerungen an den Bierkönig auf Malle. Da wurden jede Menge blonde Miezen weggeflext. 

Man tauscht sich nun in der Tat über gemeinsame Erinnerungen an das letzte Schützenfest aus. Mittlerweile wird aus dem Flexen ein Verarzten. Scheinbar hat es letztes Mal die Meike erwischt. Mein Beileid.

Christian ist bei den Damen schwer gefragt. Auch auf Malle. Führte beim erneuten Besuch mit Freundin zu unangenehmen Situationen.

Die Gespräche drohen zu versickern, das Thema ist ausgelutscht. Man hört stattdessen die WhatsApp Nachricht eines abwesenden Kumpans ab. Der scheint sie vom Klo aus geschickt zu haben und beschreibt den aktuellen Prozess präzise. Die Stimmung erreicht einen erneuten Höhepunkt.

Ich darf jetzt aussteigen.

Kindermund

Auf einem Hoffest, im Hintergrund hört man Countrymusik von einer Bühne. Im Vordergrund steht ein Mann in der Schlange vor dem Wurststand. Ein Kind (sein Sohn) stürmt auf ihn zu.

“Papa, der Mann da singt lustig!”

“Der singt auf Englisch.”

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Ich steh am Fenster und lausche dem Regen,
rieche den Herbst und sehe noch satt grüne Bäume.

Meine Teetasse wärmt meine Hände und es
ist so friedlich im Zwielicht des Abends.

Ich würde mich jetzt gerne zurück lehnen,
die Ruhe teilen und vertiefen.

Ich würde gern das satt zufriedene, banale,
Glück des Wochenendes
zeigen und empfangen was rastlos macht,
um Hafen zu sein und geborgen borgen.

Mein Herz ist voll und quillt über in diesem Moment,
aber da ist niemand der empfängt
in diesem Moment.

Und so bleiben Tasse, Baum und Regen,
die Begleiter an diesem Herbstabend.

Und die offene Frage,
die schon so lange im Raum steht,
folgt mir leise auf die Couch.

Zwiegespräch

Ich trau’ mich nicht, sagt der Kopf.

Warum denn nicht?, fragt das Herz.

Weil ich nicht weiß, ob sich das Risiko lohnt, grübelt der Kopf.

Was für ein Risiko denn?, will das Herz neugierig wissen.

Dass ich es bereuen werde, resümiert der Kopf.

Hm…, überlegt das Herz.

Der Kopf schweigt. Das Herz pocht.

Ich bin für das Fühlen zuständig, Du für das Nachdenken. Sag mir, haben wir denn etwas bereut, wenn wir etwas gewagt haben?, sinniert das Herz.

Nein. Das haben wir bisher nie, findet der Kopf heraus.

Siehst Du, ich fühle auch keine Reue, wenn Du etwas wagst. Ich kann es kaum erwarten herauszufinden, was das Neue mit mir macht. Denn ich vertraue Dir und Deinen Entscheidungen. Du denkst an mich, freut sich das Herz.

Weil ich Dich brauche! erkennt der Kopf. Ohne Dich macht es keinen Spaß und mit Dir ist es bunt.

Dann bleib bei mir und ich bei Dir und uns kann gar nichts passieren, ermutigt das Herz.

Herz, es tut gut, wenn Du entscheidest, wenn ich es nicht kann, erkennt der Kopf.

Human – Rag ‘n’Bone Man

Maybe I’m foolish,
maybe I’m blind
Thinking I can see through this
and see what’s behind.

Got no way to prove it so maybe I’m blind.

But I’m only human after all,
Don’t put your blame on me.
Take a look in the mirror and
what do you see?

Do you see it clearer,
or are you deceived in what you believe?
Cos I’m only human after all,
you’re only human after all.
Don’t put the blame on me.

Some people got the real problems,
Some people out of luck.
Some people think I can solve them,
Lord heavens above I’m only human after all,
I’m only human after all,
Don’t put the blame on me.

Don’t ask my opinion,
don’t ask me to lie.
Then beg for forgiveness for making you cry.
Cos I’m only human after all,
Don’t put the blame on me
I’m only human.

Don’t put your blame on me
I’m no prophet or messiah.
Should go looking somewhere higher
I’m only human after all,
don’t put the blame on me,
I’m only human I do what I can
I’m just a man.

By Rag’n'Bone Man