Fuck you very much

Es gibt Tage, da ist Alleinereisen anstrengend. Und damit meine ich wirklich alleine beim Reisen zu sein. Durch das nicht ins Gespräch kommen, durch das „durchs Raster“ fallen, durch das nicht angesprochen sein, durch das sich nicht in Gesellschaft befinden. Natürlich muss man auf niemanden Rücksicht nehmen, bei der Tagesgestaltung keine Kompromisse eingehen und die eigenen Erwartungen mit deren der Begleitung abgleichen. Doch Glück, das bleibt ungeteilt, Erlebnisse unerzählt und der Tag nicht im Gespräch reflektiert. Allein.

In solchen Momenten ist Gastfreundschaft ein wohltuender Balsam. Ein Hort, ein Rückzugsort und ein Kraftquell. Ein freundliches Wort, ein erwidertes Lächeln, ein ernst gemeinter Wunsch für einen schönen Tag. Kleine Gesten, die größer wirken können. Könnten. Es sei denn man befindet sich im falschen Hotel. Am falschen Ort. Dieselben eingeübten Phrasen umgarnen den Geldbeutel – wird er nicht gezückt, ist man beleidigt. Verwehrt von nun an das Lächeln. Vergisst eine Bestellung. Vergisst den Gast.

We are a restaurant

Schon mehrere Male war ich in Griechenland – aber jedes Mal ist die Verkostung eines Retsina irgendwie an mir vorüber gegangen. Mein Hotel hat dieses Getränk nicht auf der Karte. Auf meine Rückfrage, schaut mich die Kellnerin mit gerümpfter Nase an und meint dass sie das nicht haben und das außerdem scheußlich schmeckt. Ich suche den nächsten Supermarkt auf. Kaufe mir eine Retsinaflasche. Stelle fest, dass diese einen Korken und ich keinen Korkenzieher habe. Gehe an meine Hotelbar, denke dass ich mit dem Barmann inzwischen ein wohlwollendes Verhältnis habe. Frage nach einem Korkenzieher. Erkläre, dass ich den dafür brauche mal Retsina zu kosten, den sie leider nicht auf der Karte haben. RETZZZZZINA – er spuckt mir das Wort vor die Füße. Und betont: „We are a restaurant – not a taverna.“ Seitdem ignoriert mich der gute Mann. Nun – Getränke gibt es auch woanders.

Yes, please – Lady!

Ich logiere direkt an der Strandpromenade. Abends im Mondenschein gelüstet es mich bisweilen nach einem kleinen Spaziergang entlang dieser Promenade, die gesäumt ist von kleinen Tavernen und Restaurants. Die alle ihren eigenen Gästereinholer haben. Alle zwei Meter versucht jemand mich von dinner, very good food, delicious meal zu überzeugen. Alle zwei Meter lehne ich höflich ab. Der Eifrigste motiviert sich beim Anblick eines jeden Touristen mit einem „Yes please!“, bevor er – auf den gerade schlendernden Menschen angepasst – hinterher schiebt…in meinem Fall „Lady, come have dinner“. Ich versuche andere Wege für meinen Abendspaziergang – mit wenig Erfolg. Die Wege, die nicht von Restaurants gesäumt sind, sind dunkel und so verlassen, dass ich fürchten muss einem der vielen streunenden Hunde zu begegnen…nachdem mir dann für kurze Zeit auch ein Bus voll mit grölenden Herren gefolgt ist, die den Fahrer bei geöffneter Tür mit „Get her“ animierten, lasse ich diese Off-Road Abenteuer besser. Nach sechs Tagen stelle ich leider aber auch fest, dass die am Anfang noch witzig erscheinenden Sprüche der Gästereinholer sehr einstudiert sind…und immer die gleichen. Das äußert sich darin, dass ich dem „Yes please“ Mann zufällig im Supermarkt in einem Gang begegne. Er erblickt mich und sagt: „Yes please…“, dann fällt ihm auf, dass er off duty ist.

Smile when you are cheating

Lächeln ist etwas Schönes. Kaum ein Mensch kann einem Lächeln widerstehen. Lächelt man jemanden an, so ist der unwillkürliche Reflex zurück zu lächeln. Aber es gibt auch ein falsches Lächeln. Eines, welches es nicht bis in die Augen schafft. Ein solches Lächeln umgibt mich, sobald ich auf den Touristenpfaden wandle. Von den Shopbesitzern, von den Hotelangestellten, von den Barkeepern, von den Restaurantbesitzern. Es widert mich an. Und treibt mich in die Berge. Weit weg von den Menschenmassen, die die Insel heimsuchen. Hinein in die Stille. Und dort findet mich die Gastfreundschaft.

Blog

Come, have a look

Es ist eine Kapelle, die Santorinis Heiligem Profitis Ilias geweiht ist – nachdem auch schon ihr höchster Berg benannt ist. Ich komme etwas atemlos auf dem Bergplateau an, auf dem mich die Kappelle schneeweiß erwartet. Ein älterer Mann löst sich aus dem Schatten der Kapelle und kommt auf mich zu. Ob ich einen Blick hinein werfen möchte?, fragt er mich. Ich bin überrascht – bisher waren mir alle orthodoxen Kirchen verschlossen. Ich folge ihm in die Kühle. Er zeigt mir voller Stolz die Gemälde, erklärt mir die Heiligen, ein paar erkenne ich, das scheint ihn zu freuen. Wie ein kleines Kind weist er mich immer wieder aufgeregt auf noch eine Attraktion hin. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Ich frage ihn, ob er hier Priester ist. Wie ich später herausfinde, ist er der „Manager“ der Kapelle. Und kümmert sich um die Elektrik. Er führt mich wieder nach draußen, deutet auf eine kleine Baustelle an der Seite der Kapelle hin. Hier arbeitet er daran…aber immer schön langsam, nur nicht hetzen, vermittelt er mir. Und ob ich einen Kaffee möchte? Den muss ich ablehnen, ich will weiter. Ich danke ihm – vor allem dafür, dass er für das Lächeln und für die Gastfreundschaft auf dieser Insel steht. Beschwingt gehe ich weiter.

One comment

Comments are closed.