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Begegnungen: Start einer neuen Textreihe

Liebe Leserinnen und Leser,
ich starte ab sofort mit einer neuen Reihe von kurzen Texten, die ich “Begegnungen” nennen werde. In den Begegnungen porträtiere ich die Intimität zwischen zwei Fremden und das Farbenspiel eines unbeschriebenen Blattes. Ich möchte hier eigene Erlebnisse, gehörte Erzählungen und auch kreative Freiheit in diese Geschichten einfließen lassen. Will heißen, einiges habe ich erlebt, einiges hat jemand anders erlebt, einiges hat nur in meiner Phantasie stattgefunden. Dichtung und Wahrheit geben sich also die Hand, sollte sich dennoch jemand erkennen – willkommen. Ich erzähle in dieser Reihe immer aus der Ich-Du-Perspektive, das bereitet mir die größte Freude. Euch allen wünsche ich ebenso viel Freude mit den Begegnungen. Wer inspiriert ist, selbst zu erzählen, der kann das gerne in den Kommentaren oder per Nachricht an mich tun. Wer noch mehr wissen will, findet im Update 2017 noch ein paar Häppchen.

Was zeichnet einen Reisenden aus?

Neugierde darauf, in der Fremde zu entdecken und zu erleben. Einen Ort mit der Heimat zu tauschen, der das Potential für neue Erlebnisse trägt. Egal ob eine andere Natur, eine andere Mentalität, andere Gerüche, Geräusche oder Farben. Eine gewisse Lust daran, etwas nicht zu (er)kennen, die eigene Stimme eine fremde Sprache sprechen hören und das Gefühl selbst fremd zu sein. Auch die Hoffnung mit einer Reise einen “Reset”-Knopf zu finden. Leer sein durch den Abstand zum Alltag, um neue Eindrücke aufzunehmen und sich dadurch selbst neu kennen zu lernen.

Und dann die Ankunft in der Fremde. Überwältigt sein von der Andersartigkeit. Unglaubliche Schönheit mit offenen Augen zu entdecken und die Naivität, vor Abgründen noch nicht automatisch die Augen zu verschließen, sondern mitten hinein zu blicken. Der Körper, eine durchlässige Membran, alle Sinneseindrücke wie ein Schwamm aufsaugend. Lost in Translation, fremde Laute hören, sich darin zurechtfinden. Aber auch hier – im Anders – Vertrautes erkennen. Sich selbst intensiver spüren, sich bewusst werden der ureigenen Regungen. Im Fremden sich so klar sehen, wo im Vertrauten sonst der Blick versperrt ist. Und gleichzeitig ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Was noch vorher Hemmnis war, ist nun vielleicht Chance.

Doch braucht es die Heimkehr des Reisenden, um den Blick für die eigene Entwicklung zu öffnen. Erst im Vertrauten offenbaren sich die Schätze der Reiseerlebnisse. Das Wissen was Heimat, was Wurzel ist. Und plötzlich Augen für die Schönheit der Routine haben: Die kleinen liebgewonnen Rituale, die Errungenschaften und die Stabilität des Gewohnten. Mit diesem neuen Blick auf Altes kommt die Zufriedenheit, wie eine warme Umarmung. Ruhe breitet sich im Reisenden aus und das Gefühl, gerade nirgendwo anders auf der Welt sein zu wollen als Zuhause. Genuss in diesem Zustand. Denn er wird sich wieder ändern. Und aus Ruhe wird neue Gierde auf all die Welten dort draußen, die noch nicht bereist wurden. Und der Reisende wird wieder rastlos im Moment, drängt zum Aufbruch. Um irgendwann wieder nach Hause zu kommen.

Ein Kreislauf der Vielfalt des Lebens. Wie glücklich sind wir, daraus schöpfen zu können.

The beauty of the beast

Das Wichtigste vorab: Es geht mir gut. Sehr sogar. Warum ich das schreibe? Weil meine (Reise-)Berichte bisweilen zu erschrockenen Nachfragen bei meinen Freunden führten. Man hoffe, dass ich trotz der Erlebnisse meinen Urlaub genieße, dass ich nicht mehr alleine reisen soll, nicht mehr in Touristenhochburgen fahren soll – kurzum mir sowas doch bitte nicht antun soll. Das ehrt meine Freunde, dass sie sich um mich sorgen. Dafür sind Freunde da. Sie beschützen einen manchmal vor allzu großen Dummheiten, stärken einem den Rücken, sprechen Mut zu, sind für einen da.

Ich frage mich jedoch, ob wir in Zeiten fröhlich herum hüpfender Facebook-Timelines auch die Schattenseiten in unserem Leben bewundern dürfen. Über sie berichten, sie damit festhalten und betrachten dürfen. Oder ob dieses Betrachten uns mit Unbehagen erfüllt – einem Unwohlsein, dass in einer Gesellschaft existiert, die nicht offen über Enttäuschungen, Scheitern und Hoffnungslosigkeit sprechen kann. Vielleicht auch nicht darf – denn dann haben wir es ja wieder: Dieses Unwohlsein. In meiner Überzeugung lassen uns aber nur ein gelegentliches Scheitern, eine erfahrene Enttäuschung, ein Nichterfüllen eines langgehegten Traumes fähig dazu sein, überhaupt zu Träumen, zu Erwarten und ein Geschenk zu empfangen. Das hört sich paradox an? Nein, es ist eigentlich ein simples Bild, welches vor mir schon viele Glaubensrichtungen in unterschiedlichen Formen festgehalten haben: Nur wer ein Tal kennt, der kann wissen, wie es ist, wenn man dieses überwunden hat und es von einem Berg aus betrachtet. Meine Seele braucht diese Topografie: Sie braucht es ab und an ein Tal zu durchschreiten und einen Berg zu erklimmen, um sich danach erhaben zu fühlen. Einen neuen Horizont zu entdecken, weiter zu sehen. Es gibt ihr ihre Form und das Leben, welches ich erfahre und welches mich erfährt, formt mich. Ich genieße das – ja. Auch wenn ich mich im Tal furchtbar aufrege, zornig bin, enttäuscht, traurig und manchmal einsam. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Es ist anstrengend – aber bisher hat sich das Aufrappeln immer wieder gelohnt. Es war ein Zeichen, dass ich im Ringen mehr Boden gewonnen als verloren habe. Es zeigt mir wie stark ich bin, wie stolz, wie tollkühn. Es zeigt mir, dass ich versuche meinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden: Nämlich in vollen Atemzügen zu leben, auch wenn das heißt sich einmal zu verkalkulieren. Sich unwohl zu fühlen, einsam, zur falschen Zeit am falschen Ort.

Deshalb schenke ich mir diesen Beitrag, als eine Ode an die Schönheit des Biestes. Und daran, dass wir uns erlauben dürfen uns einmal nicht gut zu fühlen. Das Negatives sein darf, weil es uns zeigt, was abwesend ist: Das Gute. Und dadurch das Gute intensiver spürbar wird. Ich bin für ein offen ausgesprochenes Scheitern, dafür, eine Enttäuschung zu betrauern. Es zeigt mir mein Menschsein, es zeigt mir meine Stärke. Und es zeigt mir, wie viele Menschen daran teilhaben und dass ich nicht allein bin. Gerade in solchen Momenten, in denen es sich so anfühlt. The beauty of the beast.

beast

Wiedergeburt

Meine Suche nach der Liebe beginnt mit einem Klick auf “Löschen”. Mein virtuelles Ich verschwindet aus dem Portal und ich entziehe mich fürs Erste allen potentiellen Möglichkeiten.

Jetzt lausche ich in die Leere des Bildschirms hinein. Bereue ich es?, frage ich mich selbst. In mir antwortet nur die Stille. Meine Gedanken verlassen den Rhythmus aus Log in, Mails checken, Mitglieder betrachten – ich sehe in die Flamme der Kerze vor mir auf dem Tisch. Bewundere ihre tanzenden Schatten an der Wand. Meine Gedanken huschen durch meine Erinnerung. Die Tage meiner rastlosen Suche, die verschwommenen Gesichter der vielen Profile, die meine Wege kreuzten. Mit jedem neuen Gesicht eine neue Geschichte, wie ein Buch nur flüchtig aufgeschlagen. Und irgendwann kamen mir die ersten Zeilen einer neuen Begegnung bekannt vor, die Geschichten glichen sich, die neuen Kontakte verloren immer mehr an Reiz. Die Neugierde verblasste nach und nach, ein tiefes Sehnen in mir blieb. Kein Profil und kein Mensch dahinter vermochte es zu stillen – zu flüchtig war der Kontakt. Am Anfang trieb mich der Heißhunger nach Neuem, ich konsumierte atemlos. Innehalten wollte ich nicht, ich wollte jagen und sammeln. Schneller, besser, mehr. Meine Erfahrung wuchs und mit ihr die Leere in mir. Zunächst bemerkte ich es nicht. War wie berauscht von vorübergehender Aufmerksamkeit, Bewunderung und Verehrung. Wie ein emsiges Bienchen sammelte ich die Anerkennung, füllte damit Löcher, die sich schon lange in mich fraßen. Wie Eintagsfliegen starben die neuen Kontakte ab, hinterließen eine brüchige Selbstliebe.

Foto: Christian Rosery

Foto: Christian Rosery

Mit F.’s letztem Anruf knickte ich um; das atemlose Jahr danach, die Liebhaber die es mit sich brachte, richteten mich wieder auf. Aber einem Orkan konnte ich nicht trotzen. Es braucht Zeit, sich einzugestehen, dass man verletzlich ist und sein darf. Diese Zeit hatte ich vorerst nicht, im Netz fand ich Ablenkung, Erbauung, Enttäuschung. Und jetzt der Klick auf “Löschen”. Motiviert durch hoffnungsvolle Stärke. Ich spüre mich und den Boden auf dem ich stehe. Das Leben vibriert in mir.

Meine Gedanken irren orientierungslos umher. Noch ist es ungewohnt sie ins Leere laufen zu lassen. Ihnen die virtuelle Plattform zu entziehen, die Möglichkeiten Hoffnungen an Unbekanntes zu knüpfen, Luftschlösser zu bauen, sich in Profile zu verlieben. Sich zu testen, ob man wieder bereit fürs Leben, für den Sturm ist. Ich sehe ihn am Horizont, wie er sich zusammenbraut. Stelle mich ihm entgegen: Will von ihm erfasst werden, mich mitreißen lassen, mir den Atem rauben lassen, mich von den Füßen reißen lassen und genau darin Halt finden. Ich erwarte den Sturm mit ausgebreiteten Armen. Und mit ihm die Liebe.

 

Es war einmal…

…eine fixe Idee. Die wurde geboren aus meinem Spaß daran, einfach mal zu texten wie mir der Schnabel…nein die Finger gewachsen sind. Da mein Beruf bisweilen von mir verlangt eben das nicht zu tun, lag die Idee zu einem eigenen Blog nahe. Gleichzeitig hat mir meine Ausbildung die Überzeugung eingetrichtert, bloß keine unnötigen Inhalte zu produzieren. Immer zu hinterfragen wie hoch der Informationsgehalt einer „Meldung“ ist, wen diese wo und wie und wann interessieren könnte.

Schluss – Aus – Ende. Das hier ist Anna-Land. Ab sofort gelten hier nur meine Regeln. Wenn ich das Bedürfnis zu schreiben habe, egal über was, dann tu‘ ich das. Und wenn ich gerade nichts erzählen mag, dann gibt es hier auch nichts zu lesen. Ja, es ist ein gutes Gefühl genau diesen Spielraum zu haben.

Aber meine Idee, die brauchte auch ein paar helfende Hände, um sich aus meinen Gedanken in meine Taten zu verwandeln. Daher ist dieser Blog auch das Ergebnis meines ersten Urlaubs alleine und den dortigen Begegnungen mit wundervollen, herzenswarmen Menschen. Und den Berichten über diese Begegnungen. Und den Reaktionen von Freundinnen und Freunden auf ebendiese Berichte. Und schwupps…hat sich die Idee ins Rampenlicht getraut. Aber ohne einen Menschen wäre das auch alles nicht so schnell, elegant und vor allem mit einem guten Gefühl über die Bühne gegangen: Daher danke ich meinem Bruder tausend Mal für seine technische Unterstützung und Hilfestellung bei all meinen naiven IT-Fragen.