Category Archives: Eigene Gedichte

Für C

Ich weiß, dass ich Dich liebe,
wenn ich bei dem Gedanken an Dich
angekommen bin.

Wenn ich weiß,
dass auch Du im Schnee gefroren hast,
und ich Deine Dämonen umarmt habe.

Wenn ich denke,
dass Du der schönste Mensch bist,
für mich.

Und ich all Deine Verletzlichkeit,
in meine Arme schließen will,
bis Dir ganz warm ist.
Und ich mich noch nie
so geborgen gefühlt habe,
wie in den Sekunden,
in denen Du mich gehalten hast.

Ich weiß, dass ich Dich liebe,
weil ich vorher nicht wusste,
wie es ist.
Die Liebe,
die da ist,
wenn Du längst fort bist.
Die mich wärmt,
wenn Du es nicht mehr kannst.

Und die uns verbindet,
in diesem kleinen Schatzkästchen,
was wir beide in uns tragen.
Jeder für sich.

Du bist mir kostbar,
weil Du so unvollkommen bist.
Weil Du Angst hast,
unsicher bist,
und verletzt.

Du bist ein Mensch,
den ich lieben kann,
weil Du mich geliebt hast.

Sehnen

Und manchmal,
da ist der Platz neben mir leer.

Da fehlst Du,
Du, der mit mir das erste Mal auf ein Festival geht.
Du, der mit mir unter Sternen tanzt und
genauso verrückt ist wie ich.
Mit diesem Hauch von Spießigkeit,
in der wir es uns ganz wunderbar gemütlich machen.

Da fehlst Du,
der neben mir auf der Couch sitzt und VPN-Tunnel legt,
damit wir wissen, was auf der Insel läuft.

Da fehlst Du,
der mir Sonntags Brötchen holt und
für den ich Samstags eine Waffel kaufe.
Der mit mir Kaffee kocht und
die Rotweinflasche leert.
Der in meine Kochtöpfe schaut und
mir Geschichten erzählt.

Da fehlst Du,
der mit mir an freien Tagen aufwacht und
erkunden will,
was uns die Umgebung bietet.
Oder Du,
der mit mir ganz spontan irgendwohin fährt.

Da fehlst Du,
mit dem ich die schrammelige Kneipe bei mir um die Ecke ausprobiere,
und Du, mit dem ich nachts auf dem Spielplatz schaukeln kann.

Da fehlst Du,
der mit mir meine Heimat erkundet,
meine Wurzeln ausgräbt
und mich liebt für die, die ich bin.
Die ich war und
die ich sein werde.

Manchmal,
da fehlst Du.

Du fehlst.

Surfen

Ich zog mich zurück,
aus allem was war.
Ob das denn ginge,
wollten sie wissen.

Es geht hervorragend,
erwiderte ich.
Wenn sich eine Welle des Wechsels
vor Dir auftürmt,
dann nutze ihre Kraft.

Lass los,
was nicht mehr bei Dir bleiben soll.
Was Dein Herz umklammert,
und Dir seine Schläge diktiert.

Lass Dich fortreißen,
mit der Macht des Wandels,
tritt aus dem Trott.

Und dann liegst Du an Land,
nass und erschöpft,
und spürst,
wie die Hoffnung wieder in Dir
zusammenwächst.

Wie sich dunkle Abgründe
mit Brücken füllen,
wie Zartheit wächst.
Und Du weißt,
Du hast sie wieder:

Deine Verletzlichkeit.

Echo

Ich habe heute von Dir geträumt,
ein Echo der gemeinsamen Jahre.
Ein Widerhall des Gefühls füreinander,
ineinander verschlungen.

Im Traum warst Du nah,
im Leben schon weit entfernt.
Deine Arme gaben Halt,
Dir selbst in diesem Gefühl.

Im Echo verschwimmt,
was damals war.
Dass es nie das war,
was wir uns wünschten.

Du warst bei mir,
wir waren eins.
Sahen einander,
waren wir.

Die Klänge aus unserem Leben,
solo für uns,
verwoben erst im Nachklang.

Ich bin aufgewacht,
aus diesem Echo,
was Wunsch war.
Den wir beide
uns nicht erfüllen konnten.

Und doch lausche ich dem Widerhall,
und finde ihn schön.

Schutzbefohlen

Ich habe mich der Welt
mit Schmerzenslust gestellt.

War einsam in meiner Suche
nach Nähe in fremden Armen.

Habe nach einer anderen Hälfte gesucht,
und mich unvollständig gefühlt.

Sah den Mangel an Fürsorge,
und die enttäuschten Erwartungen
in vielen Wegbegleitern.

Bis ich entdeckte, dass ich nicht eins bin,
dass in mir Facetten schillern und mein Leben
Freiheit ist, diese in ihrer Fülle zu leben.

Und ich meine Arme wurde, in denen ich
Trost finde und Glück spende.
Mir selbst schutzbefohlen bin,
und Kraft schöpfe.

Jeden Tag aufs Neue.
Das wunderbare Leben.

In dem ich stehe,
fest,
frei.

Was es ist

Es sind die Jahre, die mir zeigen,
wer ich bin, wenn ich ganz bei mir bin.

Es sind die Erfahrungen, die mich lehren,
worauf es mir ankommt, wenn ich Ich bin.

Es sind die Menschen, die mich begleiten und die mich verlassen,
durch die ich weiß, welche Begegnungen mich stärken.

Es sind die Momente, in denen sich Klarheit so glasklar Bahn bricht
und ich erkenne, was mir wirklich wichtig ist.

Es ist die Norm, der ich manchmal entspreche und manchmal nicht,
an der ich sehe, wann ich außergewöhnlich bin.

Es ist das Leben,
was sich langsam aber stetig vor mir entfaltet.
Und in dem ich jeden Tag ein Stück mehr von mir sehe,
und ein bisschen näher bei mir bin.

Es ist die Dankbarkeit,
für all die Chancen, die mir mein Leben bietet,
für all den Schmerz, der Platz für die Freude schafft,
nicht zu wissen, was morgen sein wird.

Abendstimmung

Und dann ist da gerade,
so eben mal plötzlich,
aber doch langsam
über Wochen
diese entspannte Ruhe
in mein Leben getröpfelt.

Wie eine Katze
in der warmen Abendsonne,
so fläzt sich mein innerer
Sturm.
Nicht einmal ein sanfter Windhauch
rüttelt an den Grundüberzeugungen.

Schön ist es,
so ruhig zu sein.
Zufrieden mit dem Nichts
und gleichzeitig so reich im Erleben.
Und neben dem Sturm ist auch
der Drang
gerade verschwunden.
Und ich plätschere in den Stunden
Lebenszeit,
dümple auf den Wellen,
der allgemeinen Erregung
ohne selbst erregt zu sein.

Willkommen Zuhause,
sagt meine Seele und lächelt.
Schön, dass Du wieder da bist.

Keine Worte

Keine Worte finde ich für Dich,
der Du vor mir und vor dem Leben fliehst.
Fliehst Du,
oder scheust Du nur,
die Worte,
die sich widerspiegeln können
und Dir einen Spiegel vorhalten,
Deiner eigenen Sprachlosigkeit.

Nichts hast Du zu sagen,
zum Wert der geschenkten Zeit,
zum Wert Deines Gegenübers,
wenn Du Dich wortlos umdrehst,
und gehst und stehen lässt,
was noch nicht einmal begonnen hat.

Ich weiß nicht,
wo darin der Sinn steckt.
Ich verstehe Dich nicht,
und genau das lässt mich länger grübeln,
über Dich,
und die Leere,
die Dich so laut umgibt.

Ohne Worte gehst Du durchs Leben,
wie willst Du die Schönheit beschreiben,
wie willst Du sie begreifen,
die Dich in den Momenten umgibt,
denen Du wortlos entgehst?

Vier

Luft,
sanft streichst Du über meine nackte Haut.
Kleine, feine Härchen erwarten neugierig
deine Liebkosung.
Wie zarte Federn stehen sie auf meiner Haut,
richten sich auf, damit sie Flügel werden,
und ich getragen werde,
in deiner säuselnden Umarmung während Du
meine Lungen mit Leben füllst.

Erde,
dunkel und satt klebst Du an meinen Füßen.
Ich rieche Deine Fruchtbarkeit nach dem Regen,
spüre die Jahrtausende, auf denen ich stehe.
Dein Herzschlag bestimmt unseren Kreislauf,
Du schenkst mir Leben und irgendwann kehre ich
zurück zu Dir,
um Neues entstehen zu lassen.

Wasser,
welche Wunder kannst Du vollbringen,
wenn Du Staub zum Leben erweckst.
In einem Tropfen glitzert Dein ganzes Wesen,
tosend vereinigst Du Dich,
zu einem Strom, der mich bannt,
dessen brüllender Energie ich lausche,
und Deinen Puls spüre,
während Du mich trägst.

Feuer,
ich spüre Dich in mir.
Wie Du Hitze entfachst und Eis schmilzt,
neugierig flackernd Dich von mir nährst,
bis ich in der Glut mich erkenne,
wärmend an meiner Seele,
lodernde Wünsche zulasse,
und Licht bin,
brenne.