Category Archives: Aus dem Nähkästchen

Lovers truth

The experience you made is part of who you are and what you wanted to experience. It made you the current person. There is no need to be ashamed.

The need to feel desired is natural. To be desired is something beautiful, desire can be sexual and physical or something you feel deep in your heart. Love. There is nothing wrong in wanting to be desired in all these kind of ways. The fact that you enjoy being desired is normal. And I am sure if time goes by, your desire will develop into love. And you will accept it. So no need to be ashamed of wanting to be desired and searching for it. Enjoy the journey. No need to be ashamed of your past. As it made you who you are now.

Nothing satisfies you as good as your fantasy, except when dreams come true, you never knew you were dreaming about. Fulfilling your desires will not mean you will feel satisfied. Before you know it you will desire the next best thing.

Sexual passion is fueled by unfulfilled desires. If you have seen it all you will loose your passion. But you have to live some desires, experience some to keep your passion alive.

1000 Tage

1 000 Tage hast Du auf mich gewartet. Am Anfang stand ein Fehler. Die Angst, mehr zu fühlen als den kurzen Rausch der Sinne. Mehr zu wollen, als die momentane Freude. Mehr zu sehen, als nur meine Hülle.

Vor 1 000 Tagen habe ich Dein Herz berührt. Und Du hast die Flucht ergriffen, vor Dir und damit auch vor mir. Es entstand ein Raum für 1 000 Tage voller Missverständnisse. Die sich aus unseren eigenen Unzulänglichkeiten nährten. Jede Unsicherheit bedeutete Wachstum für die Stille, die sich zwischen uns ausbreitete. Ich habe Deine Kontaktversuche interpretiert vor dem Hintergrund, vor dem ich Dich gesehen habe. Deiner Fremdheit in unserem Land, der Andersartigkeit unserer Kultur und auch der Andersartigkeit der Frauen, die Dir hier begegneten. Die drei Sprachen, die wir miteinander sprachen, haben nichts dazu beigetragen unsere Missverständnisse zu beseitigen. Im Gegenteil.

1 000 Tage und uns trennt mittlerweile eine Wüste. Dennoch sind die Gedanken an mich Deine Oase. Sagst Du. Nach 1 000 Tagen kann ich das nicht mehr glauben. Doch Du, Du glaubst daran, dass aus Fragezeichen, Ausrufezeichen werden können.

Radical Changes

Zitternde Spannung
zwischen den Atemzügen der Welt.
In dieser Stille schweben.

Mit Knacken und Knarzen
kündigen sie sich an:
Die Kontinentalplatten
verschieben sich.
Verlierst Du Dich?

Die Risse unter Deinen Füßen,
im Fundament auf dem Du standst.
Du starrst gebannt,
und siehst doch nichts.

Die Geburt einer neuen Galaxie,
in der die alten Sterne sterben.
Du weinst und betrauerst
ihren Tod.

Und dann spürst Du den Sog.
Die Welt holt Luft.
Und katapultiert Dich
aus dem Nebel.

Ins Licht eines neuen Universums.

Fußstapfen

Den Mut dem eigenen Herzen zu folgen, den habe ich durch dich gelernt. Gerade weil du dich nicht immer getraut hast, mutig zu sein.

Die Gabe durch Worte Herzen zu öffnen, die hast du mir mitgegeben.

Die Leidenschaft für Sprache, die hast du in mir durch all die gemeinsamen Gespräche entfacht. Du legst Wert darauf, den richtigen Ausdruck zu finden und hast mich immer wieder korrigiert, wenn mir dies nicht gut gelang. Das nervte und schärfte gleichzeitig meinen Geist.

Die Neugierde auf Menschen und ihre Persönlichkeiten, die hast du in mir geweckt. Auch weil du mir Verständnis für manch unverständliche Haltung nahe legtest.

Die Fähigkeit zu streiten und danach (auch sich selbst) zu verzeihen, die hast du mich gelehrt.

In unserer Beziehung da hatten und haben wir immer mal wieder unsere Meinungsverschiedenheiten. Gerade weil wir uns so ähnlich sind. Aber umso mehr genießen wir unser Verständnis füreinander.

In deinen 60 Lebensjahren kommst du dir mit jedem Jahr ein Stück näher. Ich darf dich dabei beobachten und von dir lernen meinen eigenen Weg zu gehen. Und gerade die Steine, über die du gestolpert bist, lehren mich rechtzeitig einen Bogen darum zu machen.

Ich bin was ich bin, auch weil ich deine Tochter bin und gerade deshalb.

Wahrheit

Eine kleine Anekdote aus dem letzten Jahr. Über ein Datingportal kontaktiert mich ein vielversprechender Mann, Mitte dreißig, vermeintlich gut aussehend und im Leben angekommen, schreibt er, dass für ihn ein Kennenlernen im “echten Leben” an erster Stelle steht. Also fackeln wir nicht lange und verabreden uns zu einem Abendessen beim Italiener. Ich wähle das Restaurant aus, in Köln geht am Freitag leider nichts mehr ohne Reservierung, also reserviere ich auf meinen Namen einen Tisch für Zwei. Der Tag des Dates bricht an. Gegen Mittag beschleicht mich das Gefühl, dass ich mich noch einmal per SMS bei dem Herrn melden sollte, um mir unsere Abendplanung bestätigen zu lassen.

Ich schreibe: Hallo Ralf, bleibt es bei unserer Verabredung heute Abend? Freue mich schon sehr darauf dich kennen zu lernen. Liebe Grüße

Ralf antwortet: Hallo liebe Anna, ich hoffe Dir geht es prima. Hier bei uns im Büro ist heute irgendwie der Wurm drin. Ich kann heute leider nicht genau absehen wann ich hier heute rauskomme. Daher würde ich unser Treffen lieber verschieben, liebe Anna. Ich melde mich bei Dir wieder sobald ich zeitlich wieder etwas Luft habe. Viele liebe Grüße, Ralf.

Ich storniere also den reservierten Tisch kurzfristig und streiche den Kandidaten von der Liste. Zwei Monate vergehen, in denen ich nichts mehr von ihm höre, dann flattert eine Nachricht von Ralf in mein Postfach:

Hello hübsche Lady, hattest du heute einen entspannten und genußvollen Tag? Viele liebe Grüße Ralf

Ich kann es mir nicht verkneifen und schreibe: Oh ich erinnere mich noch gut an dich Ralf. Dank einer äußerst kurzfristigen Absage kam ich in Erklärungsnot gegenüber einem von mir favorisierten Restaurant, indem ich kurzfristig unseren Tisch stornieren musste und das nicht gern gesehen war. Ich hoffe du hattest an dem besagten Abend einen genußvollen und entspannten Ausklang.

Ralf erinnert sich plötzlich: Ja, dass tat mir noch lange leid, liebe Anja [sic!]. Mir ist ein plötzlicher Krankheitsfall in der Familie dazwischengekommen. Ich würde es sehr, sehr gerne wieder bei Dir gutmachen und Dich mit einem herausragenden Abendessen entschädigen. Meinen Abend hatte ich damals in einem Düsseldorfer Krankenhaus verbracht. Wie war denn Dein heutiger Tag?

Wiedergeburt

Meine Suche nach der Liebe beginnt mit einem Klick auf “Löschen”. Mein virtuelles Ich verschwindet aus dem Portal und ich entziehe mich fürs Erste allen potentiellen Möglichkeiten.

Jetzt lausche ich in die Leere des Bildschirms hinein. Bereue ich es?, frage ich mich selbst. In mir antwortet nur die Stille. Meine Gedanken verlassen den Rhythmus aus Log in, Mails checken, Mitglieder betrachten – ich sehe in die Flamme der Kerze vor mir auf dem Tisch. Bewundere ihre tanzenden Schatten an der Wand. Meine Gedanken huschen durch meine Erinnerung. Die Tage meiner rastlosen Suche, die verschwommenen Gesichter der vielen Profile, die meine Wege kreuzten. Mit jedem neuen Gesicht eine neue Geschichte, wie ein Buch nur flüchtig aufgeschlagen. Und irgendwann kamen mir die ersten Zeilen einer neuen Begegnung bekannt vor, die Geschichten glichen sich, die neuen Kontakte verloren immer mehr an Reiz. Die Neugierde verblasste nach und nach, ein tiefes Sehnen in mir blieb. Kein Profil und kein Mensch dahinter vermochte es zu stillen – zu flüchtig war der Kontakt. Am Anfang trieb mich der Heißhunger nach Neuem, ich konsumierte atemlos. Innehalten wollte ich nicht, ich wollte jagen und sammeln. Schneller, besser, mehr. Meine Erfahrung wuchs und mit ihr die Leere in mir. Zunächst bemerkte ich es nicht. War wie berauscht von vorübergehender Aufmerksamkeit, Bewunderung und Verehrung. Wie ein emsiges Bienchen sammelte ich die Anerkennung, füllte damit Löcher, die sich schon lange in mich fraßen. Wie Eintagsfliegen starben die neuen Kontakte ab, hinterließen eine brüchige Selbstliebe.

Foto: Christian Rosery

Foto: Christian Rosery

Mit F.’s letztem Anruf knickte ich um; das atemlose Jahr danach, die Liebhaber die es mit sich brachte, richteten mich wieder auf. Aber einem Orkan konnte ich nicht trotzen. Es braucht Zeit, sich einzugestehen, dass man verletzlich ist und sein darf. Diese Zeit hatte ich vorerst nicht, im Netz fand ich Ablenkung, Erbauung, Enttäuschung. Und jetzt der Klick auf “Löschen”. Motiviert durch hoffnungsvolle Stärke. Ich spüre mich und den Boden auf dem ich stehe. Das Leben vibriert in mir.

Meine Gedanken irren orientierungslos umher. Noch ist es ungewohnt sie ins Leere laufen zu lassen. Ihnen die virtuelle Plattform zu entziehen, die Möglichkeiten Hoffnungen an Unbekanntes zu knüpfen, Luftschlösser zu bauen, sich in Profile zu verlieben. Sich zu testen, ob man wieder bereit fürs Leben, für den Sturm ist. Ich sehe ihn am Horizont, wie er sich zusammenbraut. Stelle mich ihm entgegen: Will von ihm erfasst werden, mich mitreißen lassen, mir den Atem rauben lassen, mich von den Füßen reißen lassen und genau darin Halt finden. Ich erwarte den Sturm mit ausgebreiteten Armen. Und mit ihm die Liebe.

 

Too much shit

„Hey, ich wollte mich jetzt noch einmal auf diesem Wege bei dir melden…weil ich nach wie vor an unserem geplanten Treffen vor einer Woche festgehalten habe. Es war nur so: Irgendjemand hat mein Konto gehackt und ich hatte plötzlich keinen Zugriff mehr darauf. So konnte ich dir auch nicht bestätigen, dass es bei dem Treffen bleibt und mit dir nochmal genauen Zeitpunkt und Ort besprechen. Und dann wurde durch ein Apple Update auch noch deine Telefonnummer von meinem iPhone gelöscht. Und manchmal kommt auch echt alles zusammen, so hatte ich bis jetzt keine Möglichkeit mich wieder ins Internet einzuloggen und ein neues Profil zu erstellen und dir somit eine Nachricht zukommen zu lassen. Ich hatte ja aber auch keinen WhatsApp oder Facebook-Kontakt von dir, also auch keine Chance dich sonst irgendwie zu kontaktieren. Es ist manchmal einfach too much shit auf einmal. Aber hey, ich will dich nach wie vor immer noch kennenlernen, freue mich auf Nachricht von dir!“