Category Archives: Aus dem Leben

Begegnungen: Der Körper

Ich trinke Wein, du bestellst Ingwertee. Ich lege verstohlen die Speisekarte beiseite. Du bist schön, muskulös. Du verdienst damit dein Geld. Unterschiedlicher könnten unsere Leben nicht sein. Ich habe dich mit Google gefunden. Mud challenge, viking man. Du bist frei, sagst Du. Facebook sagt du bist in einer Beziehung. Es sei kompliziert, betonst du daraufhin. Deine Worte. Sie in Hamburg, du hier.

Ich will deinen Körper, was willst du? Du willst Flucht und mich nach Hause bringen. Ich bin atemlos, du rastlos. 4. Stock, ich habe noch Ingwer da. Ich trinke Sekt. Du füllst den Raum, ich denke daran, was ich meinen Enkeln nun erzählen kann. Der Anblick deines nackten Fleisches brennt sich ein. Top Performance, du bist auf Leistung getrimmt. Du rastest nicht und bist fort. Ein Sprint und du bist nicht einmal außer Atem. Macht das Spaß?

Begegnungen: Der Edelmann

Du beeindruckst. Durch Alter, Stil, Aura.

Während ich den Käse arrangiere, entkorkst du den Wein. Du hast eine gute Haltung. Du bist Balletttänzer gewesen. Jetzt bist du Anwalt. In deinem Namen steckt ein “von”. Du trägst gerne Korsett. Ich könnte deine Tochter sein. In deiner Freizeit fotografierst Du andere Töchter in Ruinen. In deinem Ehebett spielte die Thalbach die Kanzlerin. Deine Ehe ist offen, du bist Berlin. Deine Frau ist beim Film, du hast Ausgang, mit ihr ist alles abgesprochen. Wir trinken Wein aus unseren Mündern und du zeigst mir deine Extravanganz. Du schläfst und siehst gewöhnlich aus. Alt.

Die Aura verschwindet mit deinen Geschichten. Der Morgen ist grau, was bleibt ist eine Nacht im Schatten, der dich glänzen ließ.

Begegnungen: Der Student

Ich habe mich zwei Stunden vorbereitet. Mich gebadet, sorgfältig ein Kleid ausgewählt, nach schönen Strümpfen gesucht. Ich habe mir Mühe gegeben meine Haare zu föhnen, normalerweise halte ich mich mit so etwas nicht auf. Ich habe etwas MakeUp aufgelegt, meine Nägel lackiert. Ich bin bereit und meine Illusion ist intakt.
Du öffnest mir die Tür. Ich trete über die Schwelle und bin fünf Jahre zurück versetzt. Als noch alles in der Schwebe war, die Träume noch nicht aufgeweckt, das Leben dennoch in einer Zwischenwelt. Noch nicht ganz entpuppt.
Du wohnst in einer WG, im Vorbeigehen schaue ich in die Küche. Leere Getränkeflaschen, dreckige Töpfe, alte Pizzaschachteln. Wir stehen vor deinem Zimmer. Der Flachbildschirm des Fernsehers dekoriert die kahle Wand. ProSieben, Du schaltest auf stumm. Darunter die Kommode, offene Schubladen, ich weiß jetzt was du drunter trägst.
Das Bett ist zerwühlt, bist Du gerade erst aufgestanden?  Dein Atem riecht danach. Du bietest mir an mich zu setzen. Es gibt nur das Bett, im Hintergrund flackert das Fernsehbild. In der Wohnung ist es still. Die Krümel auf deinem Laken bohren sich durch den Stoff meines Kleides und die zarten Strümpfe. Die Luft ist abgestanden, dein Blick wandert immer wieder von mir weg zum Fernsehbild. Du hast nichts zu erzählen, ich habe dir nichts zu sagen. Du bietest mir Wasser an, aus der Flasche neben deinem Bett.
Meine Starre taut, ich muss gehen. Drei Stunden für dich. Schal, wie das Wasser, was du mir angeboten hast.

Schutzbefohlen

Ich habe mich der Welt
mit Schmerzenslust gestellt.

War einsam in meiner Suche
nach Nähe in fremden Armen.

Habe nach einer anderen Hälfte gesucht,
und mich unvollständig gefühlt.

Sah den Mangel an Fürsorge,
und die enttäuschten Erwartungen
in vielen Wegbegleitern.

Bis ich entdeckte, dass ich nicht eins bin,
dass in mir Facetten schillern und mein Leben
Freiheit ist, diese in ihrer Fülle zu leben.

Und ich meine Arme wurde, in denen ich
Trost finde und Glück spende.
Mir selbst schutzbefohlen bin,
und Kraft schöpfe.

Jeden Tag aufs Neue.
Das wunderbare Leben.

In dem ich stehe,
fest,
frei.

Was es ist

Es sind die Jahre, die mir zeigen,
wer ich bin, wenn ich ganz bei mir bin.

Es sind die Erfahrungen, die mich lehren,
worauf es mir ankommt, wenn ich Ich bin.

Es sind die Menschen, die mich begleiten und die mich verlassen,
durch die ich weiß, welche Begegnungen mich stärken.

Es sind die Momente, in denen sich Klarheit so glasklar Bahn bricht
und ich erkenne, was mir wirklich wichtig ist.

Es ist die Norm, der ich manchmal entspreche und manchmal nicht,
an der ich sehe, wann ich außergewöhnlich bin.

Es ist das Leben,
was sich langsam aber stetig vor mir entfaltet.
Und in dem ich jeden Tag ein Stück mehr von mir sehe,
und ein bisschen näher bei mir bin.

Es ist die Dankbarkeit,
für all die Chancen, die mir mein Leben bietet,
für all den Schmerz, der Platz für die Freude schafft,
nicht zu wissen, was morgen sein wird.

Textnachrichten

Ich starte entschleunigt in das Wochenende. Mein Zug hat schon jetzt 15 Minuten Verspätung.

Eben stieg die Schützenfest-Männertour auf Ausgang zu. Hat Bier und Mettbrötchen mit Zwiebeln im Gepäck. Die Gespräche schrauben sich in ungeahnte Höhen, man schwelgt im Zwiebeldunst in Erinnerungen an den Bierkönig auf Malle. Da wurden jede Menge blonde Miezen weggeflext. 

Man tauscht sich nun in der Tat über gemeinsame Erinnerungen an das letzte Schützenfest aus. Mittlerweile wird aus dem Flexen ein Verarzten. Scheinbar hat es letztes Mal die Meike erwischt. Mein Beileid.

Christian ist bei den Damen schwer gefragt. Auch auf Malle. Führte beim erneuten Besuch mit Freundin zu unangenehmen Situationen.

Die Gespräche drohen zu versickern, das Thema ist ausgelutscht. Man hört stattdessen die WhatsApp Nachricht eines abwesenden Kumpans ab. Der scheint sie vom Klo aus geschickt zu haben und beschreibt den aktuellen Prozess präzise. Die Stimmung erreicht einen erneuten Höhepunkt.

Ich darf jetzt aussteigen.

Teilen

Ich steh am Fenster und lausche dem Regen,
rieche den Herbst und sehe noch satt grüne Bäume.

Meine Teetasse wärmt meine Hände und es
ist so friedlich im Zwielicht des Abends.

Ich würde mich jetzt gerne zurück lehnen,
die Ruhe teilen und vertiefen.

Ich würde gern das satt zufriedene, banale,
Glück des Wochenendes
zeigen und empfangen was rastlos macht,
um Hafen zu sein und Geborgenheit borgen.

Mein Herz ist voll und quillt über in diesem Moment,
aber da ist niemand der empfängt
in diesem Moment.

Und so bleiben Tasse, Baum und Regen,
die Begleiter an diesem Herbstabend.

Und die offene Frage,
die schon so lange im Raum steht,
folgt mir leise auf die Couch.

Zwiegespräch

Ich trau’ mich nicht, sagt der Kopf.

Warum denn nicht?, fragt das Herz.

Weil ich nicht weiß, ob sich das Risiko lohnt, grübelt der Kopf.

Was für ein Risiko denn?, will das Herz neugierig wissen.

Dass ich es bereuen werde, resümiert der Kopf.

Hm…, überlegt das Herz.

Der Kopf schweigt. Das Herz pocht.

Ich bin für das Fühlen zuständig, Du für das Nachdenken. Sag mir, haben wir denn etwas bereut, wenn wir etwas gewagt haben?, sinniert das Herz.

Nein. Das haben wir bisher nie, findet der Kopf heraus.

Siehst Du, ich fühle auch keine Reue, wenn Du etwas wagst. Ich kann es kaum erwarten herauszufinden, was das Neue mit mir macht. Denn ich vertraue Dir und Deinen Entscheidungen. Du denkst an mich, freut sich das Herz.

Weil ich Dich brauche! erkennt der Kopf. Ohne Dich macht es keinen Spaß und mit Dir ist es bunt.

Dann bleib bei mir und ich bei Dir und uns kann gar nichts passieren, ermutigt das Herz.

Herz, es tut gut, wenn Du entscheidest, wenn ich es nicht kann, erkennt der Kopf.

Lovers truth

The experience you made is part of who you are and what you wanted to experience. It made you the current person. There is no need to be ashamed.

The need to feel desired is natural. To be desired is something beautiful, desire can be sexual and physical or something you feel deep in your heart. Love. There is nothing wrong in wanting to be desired in all these kind of ways. The fact that you enjoy being desired is normal. And I am sure if time goes by, your desire will develop into love. And you will accept it. So no need to be ashamed of wanting to be desired and searching for it. Enjoy the journey. No need to be ashamed of your past. As it made you who you are now.

Nothing satisfies you as good as your fantasy, except when dreams come true, you never knew you were dreaming about. Fulfilling your desires will not mean you will feel satisfied. Before you know it you will desire the next best thing.

Sexual passion is fueled by unfulfilled desires. If you have seen it all you will loose your passion. But you have to live some desires, experience some to keep your passion alive.

Cogito ergo sum

Nehmen wir einen intelligenten Menschen. Seine Intelligenz wird durch Leistung (ob schulische Noten, exzellente Arbeitsergebnisse oder brilliante Forschungsergebnisse) zertifiziert. Eventuell erhält der Mensch weitere Zertifikate seiner Exzellenz, zum Beispiel entsprechende Stipendien oder Jobangebote, an die jeweils ein Auswahlverfahren geknüpft ist, in dem der intelligente Mensch andere Mitbewerber hinter sich lässt.

Ein solcher Mensch, der wird sich im Laufe seines Lebens an Perfektion gewöhnen. Weil ihm bisweilen sein Ruf voraus eilt und Exzellenz also von ihm erwartet wird, gleichsam weil er dies vielleicht selbst von sich erwartet. Nur das Beste ist gut genug und Perfektion wird zum Alltagsgefühl. Außerdem wird er sich daran gewöhnen, öfters die besseren Argumente zu haben, vielleicht auch daran, dass ihm Wissen schneller zugänglich ist und er somit im Miteinander bisweilen im Vorteil ist. Vielleicht gewöhnt er sich auch an die Anerkennung, die er für seine Ausdrucksweise, seine Gedanken oder seine Art zu handeln erhält.

Wissen und Erkenntnis werden so wertvolle Güter im Selbstverständnis des intelligenten Menschens. Und ebenso die Sicherheit sich Wissen aneignen zu können und Erkenntnis zu erlangen. Der intelligente Mensch kann sich so daran gewöhnen, es schlussendlich “besser” als viele seiner Mitmenschen zu wissen: weil ihm das durch seine Erfahrung im Umgang mit anderen bestätigt wird, er weniger Widerspruch erfährt, weil seine Annahmen meist korrekt sind oder er Widerspruch als weniger bedrohlich empfindet, weil er diesen meist mit den Waffen seines Geistes entkräften kann.

Nun fragt sich also der intelligente Mensch, ob ihn seine kognitiven Fähigkeiten glücklicher machen können, als weniger helle Geschöpfe. Mag doch ein wacher, heller Geist Zugang zu vielem ermöglichen.

Der intelligente Mensch kann sich aber dadurch auch der allgemeinen Orientierungslosigkeit in einer komplexen Welt entwöhnen. Und wird so Opfer seiner selbst. Denn was passiert mit dem intelligenten Menschen, der sich daran gewöhnt hat, korrekte Annahmen zu treffen, wenn er bei sich selbst feststellt, dass eine über sich selbst angenommene Wahrheit im Innersten erschüttert wird. Und dass er sich nicht im Ansatz verstehen kann, obwohl er doch so vieles in der Welt versteht, was anderen unverständlich ist.

Diese Erkenntnis kann fatal für einen intelligenten Menschen sein. Oder befreiend.