Category Archives: Aus dem Leben

Zwischenstop

Und da ist so viel Leben,
schwimmend mitten im Strom.
Sich stetig wandelnd,
in Veränderung.

Abschied und Neubeginn,
Traditionen wachsen.
Freundschaften verblassen,
neue erblühen.

Und mittendrin,
da bin ich.
Verlier mich manchmal selbst aus den Augen,
nicht immer sehend,
aber so viel fühlend.

Da bist Du,
da sind wir.
Und da bin ich,
einsam, zweisam, gemeinsam.

Und da steckt noch so viel drin,
in diesem Jahr.
In diesem Leben.

Und ich schwebe,
der Sonne entgegen,
spüre die Flügel,
wie sie schmelzen.
Und wie ich doch,
immer wieder in Licht getaucht,
vollendet bin.

Same old

Für mich ist es eine Tür,
die Schwelle ist entscheidend.
Meine Neugierde treibt mich immer wieder,
und auch meine Sehnsucht.

Auf dieser Schwelle,
da spüre ich schon die Wärme.
Die ich suche, die ich mir wünsche.
Das Bauchkribbeln und
das Angekommen sein.

Und wenn ich mich dann traue,
durch die Tür trete,
dann fand ich mich dort bisher
allein.

Im Nebel,
wo plötzlich ein Stein dem andern
gleicht.
Und ich möchte schreien, weil ich
den Nebel so gut kenne.
Und weil ich so hilflos bin,
ihn zu lichten.

Denn es ist nicht meine eigene Unsicherheit,
nicht mein Zögern,
nicht mein mangelndes Vertrauen oder
meine mangelnde Neugier.

Ich bin durch die Tür gegangen,
und dreh mich um nach Dir.
Du bliebst stehn,
kamst nicht mit,
und nicht einmal Deine Tränen
gehören mir.

Ich stehe im Nebel,
der Dein ist.

Rheinsteine

Vielleicht saß ich ja neben Dir,
in der Sonne am Rhein.
Glitzernd,
Dein Lächeln und
verwirrend schnell
Deine Erzählungen.

Wir haben Steine geworfen.
Nicht jeder hat getroffen
und ich war mir sicher,
dass wir uns nicht treffen.

Und dann plätscherte
das Leben in all die
Gewissheiten.
Und die Sonne schien weiter,
Du hast Dein Bier mit mir geteilt
und ich die Treppen vor Dir.

Da standen wir. Und plötzlich war sie da,
die Nähe.
Du wolltest mich mitnehmen,
hast Du gesagt.
Und heute denke ich mir,
ja – ich würde mitkommen.

Und dann schau ich auf den Rhein,
allein.

Teatime with deamons

Es ist wieder soweit. Ich sitze an der gedeckten Tafel und klammheimlich hat sich ein weiterer Gast dazu gesellt. Ich hatte ihn nicht darum gebeten, er ist nicht eingeladen. Aber wir kennen uns gut, schon seit vielen Jahren und gerne mag er sein Gedeck rabenschwarz und abgründig. Ich mag seinen Anblick nicht, ich mag es nicht, dass er mich an meine Einsamkeit erinnert. Dass er mir damit den Appetit verdirbt und ich ihn hungrig mache mit meiner Sehnsucht.

Sein Besuch zeigt mir, dass ich mich nicht versöhnt habe. Mit dem Ich, was sich so gerne hingeben würde. Der Vorstellung für immer jemanden an meiner Seite zu haben, geliebt zu werden, die klassische Nummer zu ziehen: Hochzeit, Haus, Kinder, Friede, Freude, Eierkuchen.

Und schon ist ein weiterer Stuhl an der Tafel besetzt. Grau und trist diesmal die Kleider, keine Lust auf irgendwas – dazu das spöttische Lächeln und die hochgezogene Augenbraue derer, die es besser wissen. Die wissen, dass die klassische Nummer sowieso nicht zieht. Kaffee oder Tee? Für diesen Gast gibt es sowieso keine Alternative. Es gibt nur den Beweis. Den ich noch nicht erbracht habe. Ich kann keinen Erfolg vorweisen, nur das Scheitern. Das Scheitern von geführten Beziehungen, das Scheitern im Anbahnen von Beziehungen und das Scheitern im Alleine bleiben. Stumpf starren wir uns an.

Dem ersten Gast mundet es in dieser Runde immer besser. Zwischen Schlürfen und Beißen ruht die Anklage. Es muss an mir, an mir alleine liegen. Und nein – es gibt da keinen Ausweg. Da machen wir uns mal nichts vor. Die freie Wahl ist meine Illusion, ich bin wer ich bin, ich kann mich nicht verändern. Ich suche das Glück? Aber doch bitte nicht mit mir. Nicht mit ihm. Nicht mit ihr. Glück – auch das eine Illusion. Eine Tasse Verzweiflung, vielleicht? Bitte sehr! Hier ist der Gast großzügig.

Ach wie angenehm, er hat noch jemanden eingeladen. Groß und prächtig über die Jahre geworden, gesammelte Enttäuschungen, bittere Erkenntnisse. Herzlich willkommen, genau du hast uns noch gefehlt, im Quartett der Tristesse. Lass das Schwarz schwärzer scheinen und die graue Hoffnungslosigkeit auswegsloser. Das Sahnehäubchen, Verstärker und Begleiter des eigenen Schuldgefühls. Liebhaber des Konjunktivs, ach hätte ich doch…  und ja, man kennt sich im Vorwurf. Sehr gesprächig, der große neue Gast. Leitet ein mit dem Klassiker: Schließlich erwartest du zu viel. Bist zu rigoros, siehst nicht gut genug aus, bist zu laut, zu leise, zu lieb, zu hart, zu dumm, zu schlau. Ja, ja genau du. Und wenn dir das nicht schmeckt, wenn du mir sagen willst, dass es nicht an dir liegt…hör mal, dann begründe doch, warum sie einfach so verschwinden. Die, von denen du dachtest, dass man sie gern haben kann. Sind es wohl doch nicht wert, oder? Nein – sowas willst du nicht hören, magst du doch weiter den Mensch betrachten und magst den Menschen. Ja dann, zurück zu dir, oder? Du siehst ja was du vom mögen hast. Schachmatt.

Die Runde wird in Gesellschaft immer lauter. Sie wollen, dass ich serviere. Das Scheitern. Sie haben die Zutatenliste und zitieren munter. Ganz oben steht der Vergleich. Schau doch nach links, schau nach rechts. Überall siehst du das, was du bei dir nicht siehst. Ja – wenn es wo anders geht, dann liegt es doch an dir. Die Beweisführung ist geschlossen, im Zweifel gegen die Angeklagte.

Aber halt: Liebe Gäste, ihr seid nichts anderes als das. Gäste. Ich habe euch die Tür geöffnet, oder sie nicht verschließen können. Ich habe euch Aufmerksamkeit geschenkt. Aber solange ihr eure Füße unter meinen Tisch stellt, habe ich immer noch die Macht über euch. Ihr habt mich vielleicht in eurer Euphorie nicht richtig verstanden, aber ihr müsstet doch mittlerweile wissen, dass ihr mir nicht auf Dauer den Appetit verderben könnt. Dass ich die Farben durch euer Spiel nur strahlender sehe. Euer Schwarz lässt auch das Weiß heller strahlen. Sobald ihr gegangen seid, ja ich sehe ihr habt es plötzlich eilig. Denn ihr seid und wardt immer nur Gäste. Und jetzt ist es Zeit nach Hause zu gehen. Die Sonne kommt gleich raus.

Inspiration für diesen Text gab ein Zitat in einem Text auf Fräulein Fischstäbchens wunderbarem Blog: „Alleinsein kann nur, wer mutig genug ist, mit seinen inneren Dämonen zu sprechen. Du siehst aus, als ob du viele Sprachen sprichst, Mädel. Bewahre dir das.“

Begegnungen: Die Unsicherheit

Dann habe ich dich getroffen und du warst natürlich ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Und gleichzeitig doch auch genauso wie in meiner Vorstellung. Was mich verwirrt und verunsichert. Wir hatten eine richtig gute Zeit, finde ich. Entspannt, unter den Umständen. Offen und ehrlich. Und das wichtigste: tiefgründig. Wie wir da am Rhein saßen mit Dosenbier. Romantisch war es nicht, es war echt. Ich mag deine Augen, deinen Ausdruck, dein Gesicht. Ich kann es dir nicht beschreiben, weil es so eine schöne Mischung ist. Aus sanft, aus offen, aus erfahren, aus dem gewissen Etwas. Ich mag deine Stimme. Ich weiß nicht, was du an mir magst. Ich habe mich oft nicht getraut, dich richtig anzuschauen. Ich war dann doch sehr aufgeregt. Natürlich haben mich die Gesprächspausen nervös gemacht, ich glaube dich nicht. Dabei hatten wir genügend Themen und das Gespräch perlte zwischen uns. Mein Herz war ruhig, mein Kopf war es nicht.

Ja, da waren auch kleine Schockmomente. Ich frage mich, was ich wohl gesagt habe, was dich hat stutzen lassen. Gestutzt habe ich, als du mir von deiner aktuellen Lebenssituation berichtet hast. Natürlich macht mich das stutzig, weil ich mich frage, wie viel Raum da für mich ist. Und es macht mich stutzig, dass ich mich das frage. Scheinbar mag ich dich, um mich das zu fragen. Und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich dich mag. Ich glaube wir sind schon sehr verschieden. Ich mag die Ästhetik, innen und außen. Du bist sehr bodenständig, es schien dir nicht so wichtig zu sein. Und wie immer ist es so, dass ich noch jung bin, aber doch schon viel erfahren habe, was nicht so ganz zusammen passt. Dass ich noch alle Optionen habe, sie aber gar nicht alle nutzen will. Ich weiß nicht wie alt du bist. Ich wollte es nicht fragen. Aber ein paar Optionen hast du schon genutzt und es sind die, von denen ich noch nicht weiß ob ich sie erleben will oder nicht. Mit dir wäre das dann wahrscheinlich nicht möglich.

Und wir haben viel gemeinsam. Wir haben – mit viel Kölsch – sehr viel geredet.  Und haben dabei einiges falsch gemacht  und es fühlte sich doch so richtig an. Über harte Themen zu reden. Über den Tod und das Abschied nehmen, über Gesellschaft und unsere Verantwortung darin, über die Lebenslust, den Genuss und immer wieder das Reisen, das Leben in anderen Ländern und das Essen. Unser Lebensgefühl oder das was wir gern fühlen würden. Das finde ich schon enorm. Und es war schön mit dir. Und leicht. Und es perlte wieder. Und ich habe gelacht und ich war ich selbst und ich glaube ich habe gesehen, wie du mich in diesen Momenten genossen hast.

Und dann haben wir uns verabschiedet und natürlich war es nun an dir, ein bisschen mehr zu verraten als ich. Und vielleicht warst du auch ganz mutig, aber wahrscheinlich ebenso unsicher wie ich. Unsicher, was du denn jetzt von der Begegnung hälst. Du hast dich auf die Sicherheit berufen, dass wir uns wiedersehen, so wie wir uns kennengelernt haben. Im Zufall der täglichen, geteilten Routine.

Und ich, ich weiß nicht, wie ich das sehe. Und bin plötzlich froh, dass du es vielleicht auch nicht weißt. Es offen gehalten hast. So habe ich Zeit für mich herauszufinden, wie ich die Begegnung mit dir empfunden habe. Und dafür hast du mir viel gegeben, weil du offen warst. Und das gleiche habe ich getan.

Wir sind beide komplexe Menschen durch unsere Erfahrungen. Da gibt es ganz viel, was du mir gezeigt und ich gesehen habe. Und ich brauche Zeit es zu betrachten. Und ich weiß, dass es mir jetzt schon schwer fällt, mir diese zu nehmen und sie dir umgekehrt zu geben. Es wäre das erste Mal. Aber dafür war die Begegnung mit dir perfekt.

Begegnungen: Der Pendler

Vier Jahre lang habe ich Dich jeden Morgen gesehen. Du standst ein paar Meter von mir entfernt auf dem Bahnsteig, wie ich immer ein paar Minuten zu früh oder wartend, weil der Zug ein paar Minuten zu spät war. Irgendwie bist Du mir ins Auge gefallen. Obwohl Du unscheinbar gekleidet warst, Deine Jacke meist im ähnlichen Farbton zur Hose. Aber ich mochte Deine Schuhe, die haben noch ein bisschen Rebell erkennen lassen. Warum Du mir aber wirklich aufgefallen bist: Du hast immer gelesen. Immer den SPIEGEL. Hast Du ihn abonniert oder kaufst Du ihn Dir regelmäßig? Das würde ich Dich gerne fragen. Mich hat Dein Lesen neugierig auf Dich gemacht.

Wer Du bist, was Du für Gedanken gerne spinnst, warum Du regelmäßig liest?

Ich bin dann umgezogen in der Stadt und fahre nun mit dem Zug in die entgegengesetzte Richtung. Heute war ich auf der Rückfahrt in unser beider Heimatstadt. Zunächst in meine Lektüre vertieft, der Zug war voll. Irgendwann schaute ich auf und mein Blick fiel auf den Sitz im Gang mir gegenüber. Da hast Du gesessen und den SPIEGEL gelesen. Ich habe Dich erst gar nicht erkannt, so vertraut war mir dieser Anblick. Dann schaute ich auf Deine Schuhe – das bisschen Rock’n'Roll war immer noch da. Deine Haare sind nun länger. Ich finde das steht Dir gut.

In diesem Moment hast Du aufgeschaut und mich zum ersten Mal gesehen. Mir schien doch, dass auch ich Dir vertraut war. Ich kenne das Gefühl, dass man meint alte Bekannte wieder zu treffen, sie nicht einsortieren kann, bis man merkt: Man begegnet ihnen nur jeden Morgen auf der Fahrt zur Arbeit, aber ist sich doch fremd. Im Anblick nur vertraut.

Ich habe Dich angelächelt und Du hast zurück gelächelt.

Dann hast Du Deine Augen geschlossen, Du hast vorher schon kurz geschlafen, als ich Dich betrachtet und erkannt habe. Ich hatte Herzklopfen und die verrückte Idee, mich zu erkennen zu geben. Dir einen kleinen Zettel zu schreiben, ihn Dir beim Ausstieg zu geben und Dich nach einem Kaffee fragen, bei dem wir uns über das Pendeln und den SPIEGEL unterhalten könnten. Ich fand mich albern und hab schüchtern meine Idee beäugt. Ja, ich hatte Schiss, dass Du die Idee doof findest. Und dann habe ich gedacht: Egal – das Leben will gelebt und nicht gedacht und dann verweigert werden. Ich habe Dir schnell einen Zettel geschrieben. Kurz vor dem Aussteigen habe ich mich umgedreht. Du warst wieder wach. Ich habe mich zu Dir gebeugt, Du hast mich freundlich angesehen und ich habe Dir den Zettel überreicht, mit meiner Telefonnummer und dann habe ich ganz schnell gesagt, so dass Du es sicher nicht verstanden hast: “Bevor ich mich nicht traue” und bin schnell ausgestiegen.

Hui – das Herzklopfen war riesig. Und das Glück unendlich. Und ich bin freudestrahlend nach Hause gefahren. Und begeistert. Und mutig. Und belebt, erfrischt und erfüllt. Und das alles, obwohl Du nicht geantwortet hast. Allein, weil die Gelegenheit so wunderbar war und ich da war.

Begegnungen: Die Liebe

Es war Zufall, so wie immer. Du sagst, Du hast mich gleich erkannt. Daran, dass plötzlich die Welt still gestanden ist. Du hast Dich verliebt, in meinen Gang, in meine Kurven, in mein Lächeln. Wir stehen vor dem Kaffeewagen in der Schlange und sind schüchtern. Erzählen schnell und verhaspeln uns mit Worten. Wir entdecken – wir sind uns näher als wir ahnten. Es ist Frühling und ich teile mit Dir die Bank unter Linden. Die Geräusche um mich sind gedämpft und ich ahne noch nicht, dass auch ich Dich lieben werde. Mein Blick hängt an Deinen Lippen, sie sind spröde, trocken, aufgeplatzt. Ich frage mich, wie sie schmecken. Es wird das erste Mal sein, dass ich spüre wie es ist gesehen zu werden. Geliebt. Wenn ich in Deinen Augen fantastischer bin, als ich es je zu träumen wagte. Perfektion – in all meinen Fehlern. Wenn ich die Macht spüre, Dich schweben zu lassen. Wie berauschend das Gefühl ist, wie heimlich unsere Begegnungen, wie ausgehungert die Berührungen. Wie fahrlässig das Zusammensein. Deine Liebe hat Spuren hinterlassen, die ich heute noch sehe. Die schwach in der Dämmerung auf meiner Haut glitzern, auch wenn Du schon lange fort bist. Es ist eine Liebe, die sich in ihrer Blüte auflöste. Wie ein Schmetterling hinter Glas, nicht mehr lebendig. Konserviert in ihrer Schönheit, für immer.

Brief an einen Freund

Du,

ich habe heute etwas Schlaues gelesen und da musste ich an Dich denken. Weil auch Du schlau bist und wir immer Freude daran hatten schlaue Gedanken miteinander zu teilen. Da stand etwas davon, dass wir uns alle nach zwischenmenschlichen Beziehungen sehnen, keiner weiß das wohl so gut wie Du. Obwohl ich mich insgeheim frage, ob Beziehungen nicht immer zwischenmenschlich sind – aber ich lenke ab.

Da stand auch, dass uns oft die Angst vor Zurückweisung im Weg steht. Keine weiß das wohl so gut wie ich.

Und dass diese Angst uns dazu veranlasst, unsere Verletzlichkeit verbergen und dass wir deshalb versuchen zu kontrollieren. Und dann hat eine schlaue Psychologin herausgefunden, was Du auch entdeckst, so schien es mir zumindest. Nämlich, dass diejenigen, die sich trauen können, ihre Verletzlichkeit und Unvollkommenheit zu akzeptieren, dass die sich sehr mit anderen verbunden fühlen. Und letztendlich tiefes Glück empfinden.

Ich glaube Du bist diesem Gefühl gerade auf der Spur. Und ich, ich kann noch nicht gut meine eigene Verletzlichkeit zulassen, schon gar nicht zeigen. Das könnte in unserer zwischenmenschlichen Beziehung durchaus der Sand im Getriebe gewesen sein. Denn bei Dir, da habe ich mich doch ab und an mal getraut eine Maske fallen zu lassen. Das hast Du wahrscheinlich gar nicht gemerkt, so klammheimlich, wie ich das gemacht habe. Aber ich habe es getan. Dann war da ganz viel rohe Verletzlichkeit da, aber auch meine eigene Sprachlosigkeit, Dich darauf aufmerksam zu machen und Dich daran teilhaben zu lassen. Und in diesen Momenten ist etwas mit uns passiert. Ich bin näher zu Dir gerückt, Du hast dann mich gespürt und Dich gefragt ob Du auch was spürst. Und dann, dann war da wohl ein Nebel in Dir. Zumindest warst Du in diesen Momenten dann mit Dir und Deinen Ängsten sehr beschäftigt und hast nichts gespürt. So hast Du das gesagt. So habe ich das gehört. Und Du hast wahrscheinlich gar nicht gemerkt, wie mich das verletzt hat. Und ich habe meine Verletzlichkeit so astrein kaschiert, dass Du mich als kalt empfunden hast. Ich habe Dich dann auf Abstand gehalten und Du meintest, dass ich Menschen schnell abserviere.

Ja und dann, dann wollte ich keinen Kontakt mehr. Und will ihn immer noch nicht. Weil ich’s nicht aushalte, wenn Du mich verletzt. Weil mir das zeigt, dass ich verletzlich bin und ich mich nicht fallen lassen kann. Weil ich nicht darauf vertraue, dass ich gehalten werde. Weil ich weiß, dass Du mich nicht hälst und nicht halten kannst. Und ich mir nicht vertraue, mich selbst zu halten. Immer und immer wieder.

Aber eins will ich Dir sagen, lieber Freund. Ich spüre das, dass ich da vielleicht irgendwann anders mit meiner Verletzlichkeit umgehen kann. Dass ich vielleicht irgendwann nicht mehr gehalten werden muss. Weil ich keine Angst mehr habe zu fallen und deshalb nicht falle. Und dafür finde ich es schön Dich gekannt zu haben. Ich habe Dich lieb, lieber Freund. Aber nur aus der Ferne, aus der Nähe ertrage ich Dich nicht.

Dein Ich