Category Archives: Aus dem Leben

Träume von Freiheit

Wellen schlagen sanft an den Bug,
Gischt kühlt meine Haut,
der Horizont weitet meinen Blick.

Wind in den Segeln,
Häfen als Heimat,
neue Orte zum Ankern und Ankommen.

Sinn erleben im Sein,
im Tun und gestalten können.
Nicht zu viel, nicht zu wenig,
sondern genau richtig zu sein.

Verantwortung tragen,
für mich selbst.
Ruhe bewahren,
in mir selbst.

Angenommen sein,
Anerkennung erfahren,
geliebt werden.
Momente des Glücks,
erleben.

Frei atmen.

Unüberbrückbare Differenzen

Da sitzen wir,
halten uns im Arm und
umklammern unsere Nähe.
Sie ist schön und sie schmerzt,
weil sie gerade im Jetzt endet.

Denn es stehen zwischen uns,
die unüberbrückbaren Differenzen.
Die Lebenslinien und daraus gewachsenen Interessen,
die wir nicht teilen.
Und Du wünschst Dir, dass ich zumindest einem Deiner Pfade folge.

Ich wünsche mir die Offenheit und Neugierde,
keine ausgetretenen Pfade zu suchen,
sondern neue zu entdecken.

So halten wir uns,
ein letztes Mal.
Mein Herz ist traurig,
mein Verstand versteht.

Und doch frage ich Dich:
Warst Du mutig genug?
Oder war ich nur feige?

Das Schweigen der Männer

Da stehen wir,
auf der einen Seite wir,
auf der anderen ihr.

Gut gelaunt, die Drinks gekühlt,
die Hüften schwingen und das Lächeln sitzt.
Das Lächeln schenken wir Euch.
Es ist eine Aufforderung und Aufmunterung.

Sprecht uns an,
seid mutig und stark.
Wir mögen Euch so.
Stark und mutig,
dass ihr das erste Wort habt.

Die Unterhaltung hat für uns schon längst begonnen.
Mit unseren Blicken,
die wir Euch aufmerksam schenkten.
Mit eben diesem Lächeln,
das Einladung ist.
Die weiße Flagge,
es wird Euch nichts passieren.

Und doch schaut ihr zurück,
ein, zwei, dreimal.
Und schweigt.
Bis wir gehen,
jeder für sich.
Ohne uns begegnet zu sein.

Denn ihr schweigt und
habt geschwiegen.

 

Alpha und Omega

Da warst Du voller Leben.

Mit Neubeginnen und Abschieden,
mit Herzklopfen und Herzschmerzen,
mit Lachen und Weinen.

Ich mochte Dich gern, 2017.

Du hast es gut mit mir gemeint und mich erneut so viel entdecken lassen – über mich und in der Welt. Ich war hier schweigsamer und im Leben lauter. Ich habe mich so über die Leidenschaft und das Glück gefreut, dass Du für mich in diesem Jahr bereit gehalten hast. Und ich habe in diesem Jahr meine Grenzen kennen gelernt. Horizonte, die ich erreicht habe und die ein Ende markierten.

Ich weiß nicht, was 2018 bringt, nur so viel: Es wird ein Jahr der Veränderung. Mal wieder, immer wieder. Ich wünsche mir dafür Mut und ein offenes Herz. Und die Geduld mit mir selbst, wenn meine Gedanken schon viel weiter sind und mein Herz noch einmal zurück blickt.

Ich wünsche uns und Dir und mir ein frohes, friedliches, entdeckungsreiches neues Jahr.

Mein Vorsatz für das neue Jahr – wer könnte es schöner schreiben als Rainer Maria Rilke:

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Zwischenstop

Und da ist so viel Leben,
schwimmend mitten im Strom.
Sich stetig wandelnd,
in Veränderung.

Abschied und Neubeginn,
Traditionen wachsen.
Freundschaften verblassen,
neue erblühen.

Und mittendrin,
da bin ich.
Verlier mich manchmal selbst aus den Augen,
nicht immer sehend,
aber so viel fühlend.

Da bist Du,
da sind wir.
Und da bin ich,
einsam, zweisam, gemeinsam.

Und da steckt noch so viel drin,
in diesem Jahr.
In diesem Leben.

Und ich schwebe,
der Sonne entgegen,
spüre die Flügel,
wie sie schmelzen.
Und wie ich doch,
immer wieder in Licht getaucht,
vollendet bin.

Same old

Für mich ist es eine Tür,
die Schwelle ist entscheidend.
Meine Neugierde treibt mich immer wieder,
und auch meine Sehnsucht.

Auf dieser Schwelle,
da spüre ich schon die Wärme.
Die ich suche, die ich mir wünsche.
Das Bauchkribbeln und
das Angekommen sein.

Und wenn ich mich dann traue,
durch die Tür trete,
dann fand ich mich dort bisher
allein.

Im Nebel,
wo plötzlich ein Stein dem andern
gleicht.
Und ich möchte schreien, weil ich
den Nebel so gut kenne.
Und weil ich so hilflos bin,
ihn zu lichten.

Denn es ist nicht meine eigene Unsicherheit,
nicht mein Zögern,
nicht mein mangelndes Vertrauen oder
meine mangelnde Neugier.

Ich bin durch die Tür gegangen,
und dreh mich um nach Dir.
Du bliebst stehn,
kamst nicht mit,
und nicht einmal Deine Tränen
gehören mir.

Ich stehe im Nebel,
der Dein ist.

Rheinsteine

Vielleicht saß ich ja neben Dir,
in der Sonne am Rhein.
Glitzernd,
Dein Lächeln und
verwirrend schnell
Deine Erzählungen.

Wir haben Steine geworfen.
Nicht jeder hat getroffen
und ich war mir sicher,
dass wir uns nicht treffen.

Und dann plätscherte
das Leben in all die
Gewissheiten.
Und die Sonne schien weiter,
Du hast Dein Bier mit mir geteilt
und ich die Treppen vor Dir.

Da standen wir. Und plötzlich war sie da,
die Nähe.
Du wolltest mich mitnehmen,
hast Du gesagt.
Und heute denke ich mir,
ja – ich würde mitkommen.

Und dann schau ich auf den Rhein,
allein.

Teatime with deamons

Es ist wieder soweit. Ich sitze an der gedeckten Tafel und klammheimlich hat sich ein weiterer Gast dazu gesellt. Ich hatte ihn nicht darum gebeten, er ist nicht eingeladen. Aber wir kennen uns gut, schon seit vielen Jahren und gerne mag er sein Gedeck rabenschwarz und abgründig. Ich mag seinen Anblick nicht, ich mag es nicht, dass er mich an meine Einsamkeit erinnert. Dass er mir damit den Appetit verdirbt und ich ihn hungrig mache mit meiner Sehnsucht.

Sein Besuch zeigt mir, dass ich mich nicht versöhnt habe. Mit dem Ich, was sich so gerne hingeben würde. Der Vorstellung für immer jemanden an meiner Seite zu haben, geliebt zu werden, die klassische Nummer zu ziehen: Hochzeit, Haus, Kinder, Friede, Freude, Eierkuchen.

Und schon ist ein weiterer Stuhl an der Tafel besetzt. Grau und trist diesmal die Kleider, keine Lust auf irgendwas – dazu das spöttische Lächeln und die hochgezogene Augenbraue derer, die es besser wissen. Die wissen, dass die klassische Nummer sowieso nicht zieht. Kaffee oder Tee? Für diesen Gast gibt es sowieso keine Alternative. Es gibt nur den Beweis. Den ich noch nicht erbracht habe. Ich kann keinen Erfolg vorweisen, nur das Scheitern. Das Scheitern von geführten Beziehungen, das Scheitern im Anbahnen von Beziehungen und das Scheitern im Alleine bleiben. Stumpf starren wir uns an.

Dem ersten Gast mundet es in dieser Runde immer besser. Zwischen Schlürfen und Beißen ruht die Anklage. Es muss an mir, an mir alleine liegen. Und nein – es gibt da keinen Ausweg. Da machen wir uns mal nichts vor. Die freie Wahl ist meine Illusion, ich bin wer ich bin, ich kann mich nicht verändern. Ich suche das Glück? Aber doch bitte nicht mit mir. Nicht mit ihm. Nicht mit ihr. Glück – auch das eine Illusion. Eine Tasse Verzweiflung, vielleicht? Bitte sehr! Hier ist der Gast großzügig.

Ach wie angenehm, er hat noch jemanden eingeladen. Groß und prächtig über die Jahre geworden, gesammelte Enttäuschungen, bittere Erkenntnisse. Herzlich willkommen, genau du hast uns noch gefehlt, im Quartett der Tristesse. Lass das Schwarz schwärzer scheinen und die graue Hoffnungslosigkeit auswegsloser. Das Sahnehäubchen, Verstärker und Begleiter des eigenen Schuldgefühls. Liebhaber des Konjunktivs, ach hätte ich doch…  und ja, man kennt sich im Vorwurf. Sehr gesprächig, der große neue Gast. Leitet ein mit dem Klassiker: Schließlich erwartest du zu viel. Bist zu rigoros, siehst nicht gut genug aus, bist zu laut, zu leise, zu lieb, zu hart, zu dumm, zu schlau. Ja, ja genau du. Und wenn dir das nicht schmeckt, wenn du mir sagen willst, dass es nicht an dir liegt…hör mal, dann begründe doch, warum sie einfach so verschwinden. Die, von denen du dachtest, dass man sie gern haben kann. Sind es wohl doch nicht wert, oder? Nein – sowas willst du nicht hören, magst du doch weiter den Mensch betrachten und magst den Menschen. Ja dann, zurück zu dir, oder? Du siehst ja was du vom mögen hast. Schachmatt.

Die Runde wird in Gesellschaft immer lauter. Sie wollen, dass ich serviere. Das Scheitern. Sie haben die Zutatenliste und zitieren munter. Ganz oben steht der Vergleich. Schau doch nach links, schau nach rechts. Überall siehst du das, was du bei dir nicht siehst. Ja – wenn es wo anders geht, dann liegt es doch an dir. Die Beweisführung ist geschlossen, im Zweifel gegen die Angeklagte.

Aber halt: Liebe Gäste, ihr seid nichts anderes als das. Gäste. Ich habe euch die Tür geöffnet, oder sie nicht verschließen können. Ich habe euch Aufmerksamkeit geschenkt. Aber solange ihr eure Füße unter meinen Tisch stellt, habe ich immer noch die Macht über euch. Ihr habt mich vielleicht in eurer Euphorie nicht richtig verstanden, aber ihr müsstet doch mittlerweile wissen, dass ihr mir nicht auf Dauer den Appetit verderben könnt. Dass ich die Farben durch euer Spiel nur strahlender sehe. Euer Schwarz lässt auch das Weiß heller strahlen. Sobald ihr gegangen seid, ja ich sehe ihr habt es plötzlich eilig. Denn ihr seid und wardt immer nur Gäste. Und jetzt ist es Zeit nach Hause zu gehen. Die Sonne kommt gleich raus.

Inspiration für diesen Text gab ein Zitat in einem Text auf Fräulein Fischstäbchens wunderbarem Blog: „Alleinsein kann nur, wer mutig genug ist, mit seinen inneren Dämonen zu sprechen. Du siehst aus, als ob du viele Sprachen sprichst, Mädel. Bewahre dir das.“

Begegnungen: Die Unsicherheit

Dann habe ich dich getroffen und du warst natürlich ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Und gleichzeitig doch auch genauso wie in meiner Vorstellung. Was mich verwirrt und verunsichert. Wir hatten eine richtig gute Zeit, finde ich. Entspannt, unter den Umständen. Offen und ehrlich. Und das wichtigste: tiefgründig. Wie wir da am Rhein saßen mit Dosenbier. Romantisch war es nicht, es war echt. Ich mag deine Augen, deinen Ausdruck, dein Gesicht. Ich kann es dir nicht beschreiben, weil es so eine schöne Mischung ist. Aus sanft, aus offen, aus erfahren, aus dem gewissen Etwas. Ich mag deine Stimme. Ich weiß nicht, was du an mir magst. Ich habe mich oft nicht getraut, dich richtig anzuschauen. Ich war dann doch sehr aufgeregt. Natürlich haben mich die Gesprächspausen nervös gemacht, ich glaube dich nicht. Dabei hatten wir genügend Themen und das Gespräch perlte zwischen uns. Mein Herz war ruhig, mein Kopf war es nicht.

Ja, da waren auch kleine Schockmomente. Ich frage mich, was ich wohl gesagt habe, was dich hat stutzen lassen. Gestutzt habe ich, als du mir von deiner aktuellen Lebenssituation berichtet hast. Natürlich macht mich das stutzig, weil ich mich frage, wie viel Raum da für mich ist. Und es macht mich stutzig, dass ich mich das frage. Scheinbar mag ich dich, um mich das zu fragen. Und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich dich mag. Ich glaube wir sind schon sehr verschieden. Ich mag die Ästhetik, innen und außen. Du bist sehr bodenständig, es schien dir nicht so wichtig zu sein. Und wie immer ist es so, dass ich noch jung bin, aber doch schon viel erfahren habe, was nicht so ganz zusammen passt. Dass ich noch alle Optionen habe, sie aber gar nicht alle nutzen will. Ich weiß nicht wie alt du bist. Ich wollte es nicht fragen. Aber ein paar Optionen hast du schon genutzt und es sind die, von denen ich noch nicht weiß ob ich sie erleben will oder nicht. Mit dir wäre das dann wahrscheinlich nicht möglich.

Und wir haben viel gemeinsam. Wir haben – mit viel Kölsch – sehr viel geredet.  Und haben dabei einiges falsch gemacht  und es fühlte sich doch so richtig an. Über harte Themen zu reden. Über den Tod und das Abschied nehmen, über Gesellschaft und unsere Verantwortung darin, über die Lebenslust, den Genuss und immer wieder das Reisen, das Leben in anderen Ländern und das Essen. Unser Lebensgefühl oder das was wir gern fühlen würden. Das finde ich schon enorm. Und es war schön mit dir. Und leicht. Und es perlte wieder. Und ich habe gelacht und ich war ich selbst und ich glaube ich habe gesehen, wie du mich in diesen Momenten genossen hast.

Und dann haben wir uns verabschiedet und natürlich war es nun an dir, ein bisschen mehr zu verraten als ich. Und vielleicht warst du auch ganz mutig, aber wahrscheinlich ebenso unsicher wie ich. Unsicher, was du denn jetzt von der Begegnung hälst. Du hast dich auf die Sicherheit berufen, dass wir uns wiedersehen, so wie wir uns kennengelernt haben. Im Zufall der täglichen, geteilten Routine.

Und ich, ich weiß nicht, wie ich das sehe. Und bin plötzlich froh, dass du es vielleicht auch nicht weißt. Es offen gehalten hast. So habe ich Zeit für mich herauszufinden, wie ich die Begegnung mit dir empfunden habe. Und dafür hast du mir viel gegeben, weil du offen warst. Und das gleiche habe ich getan.

Wir sind beide komplexe Menschen durch unsere Erfahrungen. Da gibt es ganz viel, was du mir gezeigt und ich gesehen habe. Und ich brauche Zeit es zu betrachten. Und ich weiß, dass es mir jetzt schon schwer fällt, mir diese zu nehmen und sie dir umgekehrt zu geben. Es wäre das erste Mal. Aber dafür war die Begegnung mit dir perfekt.