Begegnungen: Die Unsicherheit

Dann habe ich dich getroffen und du warst natürlich ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Und gleichzeitig doch auch genauso wie in meiner Vorstellung. Was mich verwirrt und verunsichert. Wir hatten eine richtig gute Zeit, finde ich. Entspannt, unter den Umständen. Offen und ehrlich. Und das wichtigste: tiefgründig. Wie wir da am Rhein saßen mit Dosenbier. Romantisch war es nicht, es war echt. Ich mag deine Augen, deinen Ausdruck, dein Gesicht. Ich kann es dir nicht beschreiben, weil es so eine schöne Mischung ist. Aus sanft, aus offen, aus erfahren, aus dem gewissen Etwas. Ich mag deine Stimme. Ich weiß nicht, was du an mir magst. Ich habe mich oft nicht getraut, dich richtig anzuschauen. Ich war dann doch sehr aufgeregt. Natürlich haben mich die Gesprächspausen nervös gemacht, ich glaube dich nicht. Dabei hatten wir genügend Themen und das Gespräch perlte zwischen uns. Mein Herz war ruhig, mein Kopf war es nicht.

Ja, da waren auch kleine Schockmomente. Ich frage mich, was ich wohl gesagt habe, was dich hat stutzen lassen. Gestutzt habe ich, als du mir von deiner aktuellen Lebenssituation berichtet hast. Natürlich macht mich das stutzig, weil ich mich frage, wie viel Raum da für mich ist. Und es macht mich stutzig, dass ich mich das frage. Scheinbar mag ich dich, um mich das zu fragen. Und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich dich mag. Ich glaube wir sind schon sehr verschieden. Ich mag die Ästhetik, innen und außen. Du bist sehr bodenständig, es schien dir nicht so wichtig zu sein. Und wie immer ist es so, dass ich noch jung bin, aber doch schon viel erfahren habe, was nicht so ganz zusammen passt. Dass ich noch alle Optionen habe, sie aber gar nicht alle nutzen will. Ich weiß nicht wie alt du bist. Ich wollte es nicht fragen. Aber ein paar Optionen hast du schon genutzt und es sind die, von denen ich noch nicht weiß ob ich sie erleben will oder nicht. Mit dir wäre das dann wahrscheinlich nicht möglich.

Und wir haben viel gemeinsam. Wir haben – mit viel Kölsch – sehr viel geredet.  Und haben dabei einiges falsch gemacht  und es fühlte sich doch so richtig an. Über harte Themen zu reden. Über den Tod und das Abschied nehmen, über Gesellschaft und unsere Verantwortung darin, über die Lebenslust, den Genuss und immer wieder das Reisen, das Leben in anderen Ländern und das Essen. Unser Lebensgefühl oder das was wir gern fühlen würden. Das finde ich schon enorm. Und es war schön mit dir. Und leicht. Und es perlte wieder. Und ich habe gelacht und ich war ich selbst und ich glaube ich habe gesehen, wie du mich in diesen Momenten genossen hast.

Und dann haben wir uns verabschiedet und natürlich war es nun an dir, ein bisschen mehr zu verraten als ich. Und vielleicht warst du auch ganz mutig, aber wahrscheinlich ebenso unsicher wie ich. Unsicher, was du denn jetzt von der Begegnung hälst. Du hast dich auf die Sicherheit berufen, dass wir uns wiedersehen, so wie wir uns kennengelernt haben. Im Zufall der täglichen, geteilten Routine.

Und ich, ich weiß nicht, wie ich das sehe. Und bin plötzlich froh, dass du es vielleicht auch nicht weißt. Es offen gehalten hast. So habe ich Zeit für mich herauszufinden, wie ich die Begegnung mit dir empfunden habe. Und dafür hast du mir viel gegeben, weil du offen warst. Und das gleiche habe ich getan.

Wir sind beide komplexe Menschen durch unsere Erfahrungen. Da gibt es ganz viel, was du mir gezeigt und ich gesehen habe. Und ich brauche Zeit es zu betrachten. Und ich weiß, dass es mir jetzt schon schwer fällt, mir diese zu nehmen und sie dir umgekehrt zu geben. Es wäre das erste Mal. Aber dafür war die Begegnung mit dir perfekt.

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