Monthly Archives: Mai 2016

Die Schönheit der Erschöpfung

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal mit Körper und Seele erschöpft war. Nicht ausgelaugt, sondern wohlig erschöpft durch gefordert sein. Wie nach einem langen Marsch durch blühende Landschaften. All die Energie, die Gedanken und Kraft, die ich zu geben habe, die ich investieren will um sie Früchte tragen zu sehen – die will abgerufen, investiert und eingesetzt werden.

Wir brauchen das Gefühl ab und an über unsere Grenzen zu gehen. Zu spüren, wann man leer ist und nichts mehr geben kann, weil schon alles gegeben wurde. In diesem leeren Nichts müssen wir uns Zeit nehmen, kurz zu verweilen. Uns nachspüren, wie wir uns anfühlen, wenn wir uns kaum noch spüren. Wenn das Notaggregat anspringt, um uns noch ein bisschen weiter funktionieren zu lassen, dann müssen wir mit hellwachen Augen uns sehen. Denn in diesem Nichts finden wir alles. Unsere Grenzen, unsere Seele und die Zutaten für ein Leben, in dem wir uns wohlfühlen. Die Kunst besteht darin, genau an diesem Punkt nicht auf das Notaggregat zu vertrauen, sondern umzudrehen. Im Nichts auf alles zu hören, was uns ausmacht. Darauf zu vertrauen, dass wir in der Erschöpfung Kraft schöpfen. Im Moment des Stillstands Luft holen, die uns weiter trägt, als wir für möglich halten.

Dann kann ich alles geben ohne Nichts zu sein. Dafür müssen wir uns fordern dürfen, dafür müssen unsere Energien, unsere schöpferische Kraft abgerufen werden. Und wenn wir uns in einem Leben wiederfinden, das uns das nicht bieten kann, dann sollten wir mutig genug sein, ein neues zu suchen.

Der Apfel

Verlockend süßer Duft
umhüllt Deine Sinne
betört Dich
mit Träumen,
von denen Du schon lange glaubtest
aufgewacht zu sein.

Sinnliches Rauschen
stimuliert Deine Sinne
Du tauchst ein,
in das Farbenspiel
Deiner Phantasie.

Nur einen Bissen
willst Du kosten,
nur einen Blick
ins Paradies.
Dann schnell wieder zurück
auf den einsamen Posten,
Leben.

Der Apfelbaum weint
zarte Blätter,
um seine Früchte schnell beraubt.
Denn keiner sieht die Liebe
mit denen er die Äpfel
gebaut.

1000 Tage

1 000 Tage hast Du auf mich gewartet. Am Anfang stand ein Fehler. Die Angst, mehr zu fühlen als den kurzen Rausch der Sinne. Mehr zu wollen, als die momentane Freude. Mehr zu sehen, als nur meine Hülle.

Vor 1 000 Tagen habe ich Dein Herz berührt. Und Du hast die Flucht ergriffen, vor Dir und damit auch vor mir. Es entstand ein Raum für 1 000 Tage voller Missverständnisse. Die sich aus unseren eigenen Unzulänglichkeiten nährten. Jede Unsicherheit bedeutete Wachstum für die Stille, die sich zwischen uns ausbreitete. Ich habe Deine Kontaktversuche interpretiert vor dem Hintergrund, vor dem ich Dich gesehen habe. Deiner Fremdheit in unserem Land, der Andersartigkeit unserer Kultur und auch der Andersartigkeit der Frauen, die Dir hier begegneten. Die drei Sprachen, die wir miteinander sprachen, haben nichts dazu beigetragen unsere Missverständnisse zu beseitigen. Im Gegenteil.

1 000 Tage und uns trennt mittlerweile eine Wüste. Dennoch sind die Gedanken an mich Deine Oase. Sagst Du. Nach 1 000 Tagen kann ich das nicht mehr glauben. Doch Du, Du glaubst daran, dass aus Fragezeichen, Ausrufezeichen werden können.

Sommer

Ab 25 Grad prickelt das Leben in der Stadt, Menschen sitzen auf Straßen, Dächern, Plätzen. Italien am Rhein. Gesprächsfetzen mischen sich mit Lachen und tanzen in der Abendluft wie Glühwürmchen. Mein Herz wird leicht, wenn ich durch die noch warmen Straßen meiner Stadt schlendere, wenn ich das Leben spüre und ich mich umschaue und weiß, ihr spürt es in diesem Moment auch. Die Leichtigkeit, die uns ein lauer Abend nach einem sonnensatten Tag beschert, die Offenheit, die helle Morgenstunden uns versprechen, das lässt uns aufatmen nach einem Winter der ewig schien.

Azurblau, Vergissmein-Nicht blau, pastellblau mit schafswölkchen-weiß. Der Himmel dreht die Welt auf den Kopf und wir möchten in das unendliche Meer aus Freiheit fallen. Weil wir bei 25 Grad Freiheit spüren, wenn wir im Fahrradsattel die belebten Straßen entlangklingeln, den Rhein vor uns glitzern sehen. Berauscht vom ersten Sommergefühl.

 

Damals

Es hinterlässt ein so schönes, sattes Glücksgefühl, wenn man die Telefonnummer der Eltern der guten Freundin aus Kindertagen noch auswendig weiß, wo man schon längst die eigenen Telefonnummern von Familie und Freunden nicht mehr auswendig kennt, weil die Anbieterwechsel mit den Adresswechseln sich abwechselten.

Und dann eine Nummer zu wählen, die mehr als 20 Jahre besteht, und die man sicher schon 10 Jahre nicht mehr gewählt hat, man kennt sie noch, es klingelt, tutet und dann – dann ist die Freundin dran. Wie damals. Wunderbar.

Befreiungsschlag

Aus Gewohnheit legen wir uns,
die härtesten Fesseln an.
Weniger laut, weniger da, weniger nah.
Funktionieren, nicht verwirklichen.
Zu viele Abhängigkeiten,
zu viele Unwägbarkeiten.

Doch unser Herz betrügt uns,
pocht stetig,
suchend nach Momenten,
der Zufriendenheit.
Wenn unsere Energie,
und unser Utopia eins werden können.

Wir können uns glücklich schätzen,
wenn unser Herz unsere Augen lenkt.
Und uns Brücken sehen lässt,
von denen wir springen können.
Entfesselt in das Unvorhersehbare,
Eintauchen in das Glück
des Neuanfangs.

Und wenn das Adrenalin
durch unsere Körper schießt,
dann fallen unsere Fesseln
und die Gewohnheit weicht
dem Dasein im Moment.

Taggrenze

Du liebst die Dunkelheit,
auch wenn Du es nicht für möglich hieltest.
Vertraut in ihrer Blindheit,
umfangen wirst Du,
geliebt gefangen.

Du willst das Schattenspiel nicht missen,
Langeweile kommt sonst auf.
Doch damit die Schatten fallen,
brauchst Du Sonne,
brauchst Du Licht.

Ich blende Dich mit Leben,
aber Du kannst mir nicht mehr geben.
Deine Langeweile wirft Schatten in mein Reich.
Ich suche keine Dunkelheit,
sie bleicht meine Farben.

Ich bin im Leben,
weil ich Licht bin.
Bleib Du in Deinem,
das Du Dir verdient hast.
Finde Ruhe in der Nacht.