Monthly Archives: März 2016

1001

1001 mal habe ich willkommen geheißen,
1001 mal wurde ich verlassen.
1001 mal habe ich geschenkt,
1001 mal wurde mir nichts gegeben.
1001 mal bin ich stumm geblieben,
1001 mal wurde alles gesagt.
1001 mal wollte ich blind sein,
1001 mal wurden mir die Augen geöffnet.
1001 mal habe ich gefühlt,
1001 mal bin ich allein geblieben.

Immer bin ich frei gewesen.
Immer habe ich mich dafür entschieden.
Nie dagegen.

Eine Frage der Ehre

Neun Uhr morgens in einer Kölner Straßenbahn an einem Wochentag.

Zwei Mädchen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren steigen zu. Beide sind klein, maximal 1,60 m groß und zierlich. Sie unterhalten sich.

Ey, ich habe zwei Anzeigen gegen mich laufen!

Wegen was?

Eine halt wegen Körperverletzung, ja man, da war so ein Mädchen. Die hat meinen Bruder angespuckt und meine Mutter beleidigt. Mich hat die auch angespuckt. Weißt du, wenn sie nur mich angespuckt hätte, das wäre mir egal. Aber das ging gegen meine Familie. Da bin ich ausgerastet. Hab’ ihr die Nase und ein paar Rippen gebrochen! (kichert)

Krass! Wie hast Du das geschafft?

Ja weißt du, ich hatte sechs Jahre Kickboxen, da habe ich voll die Techniken gelernt. Hab’ der immer wieder so voll mein Knie reingerammt (winkelt ihr Knie an und imitiert Kicks). Die lag dann im Krankenhaus, da hat die Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Wegen Rippenbruch und so. Ich hab die dann angerufen und so “Ey, du kleine Missgeburt, warum machst du sowas?”. Und sie so voll weinerlich: “Wegen dir liege ich im Krankenhaus!”. Und ich nur so: “Ja, hast du wohl verdient, oder?”

Und wegen was hast Du die zweite Anzeige?

Ja wegen Diebstahl. Voll dumm ey. Im Ein-Euro-Shop.

Was hast Du denn genommen?

Was zu trinken! (lacht) Ey so dumm, das hat 1,25 € gekostet. Jetzt habe ich ne Anzeige deswegen. Nächstes Mal bezahle ich. Ey, wegen 1,25 €!

Fifty fifty

Im Vertrauen,
erzählst Du mir,
dass es nicht einfach ist.
Dass Du wieder an dem Punkt bist,
an dem nicht alles an ihm genügt.
Die Stille treibt Dich um,
die von Deinen Sätzen und
seinem Schweigen ausgeht.
Dir fehlen Austausch,
Gedankenspiele,
Diskussionen.

Ich seh Euch zusammen,
sehe Eure vertraute Nähe,
Geborgenheit im Gewohnten,
Gleichklang im Alltag.

Ich verstehe,
dass Dir das Gesamtpaket fehlt.
Vor zehn Jahren haben wir noch geträumt.
Da war noch manches möglich,
weil wir vieles noch nicht erlebt hatten.
Es gab sie noch,
die neugierige Ungewissheit,
den naiven Traum vom Perfekten.

Wir sind älter geworden,
in ganz unterschiedlichen Leben.
In meinem Traum,
da vermisse ich die vertraute Geborgenheit,
und finde alles nur keine Langeweile.
Und Du vermisst den Austausch im Geborgenen.
Die Chancen stehen fifty fifty,
für den Traum vom Ganzen.