Monthly Archives: Mai 2015

Morgen

Ich hatte einen Traum,
der plötzlich zum Greifen
nah war.

Ich habe nicht gezögert,
bin hinein gesprungen
in die Traumlandschaften
der Phantasie.

Aus der Nähe verloren sie
ihre Konturen,
zu groß der Raum,
um mich darin noch zu erkennen.

Mitten in den Welten fühle ich mich klein.
Der Traum verschwindet
im Erleben und Realität
zeichnet ihre eigene
Topografie.

Ich hatte einen Traum,
in dem ich mich verloren habe.
Morgen wache ich auf,
und träume schon den nächsten.

Metamorphose

Ich habe mich satt gegessen,
an den grünen Trieben
eines süßen Lebens.
Sie schmeckten nach
Fülle und Reichtum
im Gleichklang der Herzen.

Die Jahreszeiten färben
frische Sproßen in
abgewetztes Braun.
Und mich umhüllte
ein dichter Kokon.
Eingesponnen, mit mir allein
statt im Leben.

Enge, Starre, Blick verdichtet.
Innerlicher Tumult,
DNA Stränge sortieren sich neu.
Im Kokon passiert Veränderung,
die ihn brüchig macht,
bis Schutz nicht mehr notwendig ist.

Ich sehe Licht,
während mir Flügel wachsen
ihm entgegen zu fliegen.
Befreit in Freiheit,
Verändert im Sein,
Beflügelt.

Momentaufnahme

Es ist das Leben,
das pulsierend
durch meinen Körper
zirkuliert.

Ich fließe
durch seidige Nacht.
Paradiesvögel und
Phoenix aus der Asche,
meine Phantasie
erwacht.

Du stehst vor mir,
hast Dich aus Schatten gelöst.
Zwei Münder lächeln,
mehr braucht es nicht.

Im Unbekannten erkennen
wir uns wieder.
Seelen spiegeln Neugier,
der Anfang lässt Wünsche
frei sein für Erfüllung.

Gleichung

Zwei Gläser,
zwei Geisteshaltungen,
eine Meinung.

Zwei Generationen,
zwei Leben,
eine Einsicht.

Zwei Frauen,
zwei Erfahrungen,
eine Stärke.

Zwei Individuen,
zwei Stunden,
eine Freundschaft.

Weitergedacht

Im Frühjahr 2007 hatte ich das Vergnügen in meinem ersten Praxissemester allerlei Telefondienste in einer auf Kommunikation spezialisierten Agentur zu absolvieren. So durfte ich auch im Auftrag eines namhaften Softwareunternehmens noch namhaftere Genrejournalisten der IT anrufen und diese nach ihrer Meinung befragen. Im Fokus stand ein Gerät, was damals noch kritisch beäugt wurde und man sich nicht sicher war, ob es seine Geburtsstunde überleben wird: Das Smartphone, damals noch eher als Blackberry bekannt, bevor andere Hersteller auf den Zug aufsprangen und im Juni 2007 der Messias unter den Smartphones in die Läden kam.

Die befragten Journalisten waren sich weitestgehend einig, dass sich dieses Gerät im Businesskontext durchsetzen könnte – darüber hinaus wäre aber eine Verbreitung fragwürdig. Die Bedienfreundlichkeit ließe schließlich für den PC verwöhnten Privatnutzer zu wünschen übrig und die Kosten wären ebenfalls wenig nutzerfreundlich.

Wie sich diese Geschichte fortschrieb, muss ich hier nicht weiter erwähnen. Was aber wäre, wenn wir heute weitverbreitete Apps einmal weiter- oder gar zurückdenken? Mit ihnen Inhalte messen und darstellen würden, die im digitalen Zeitalter nicht mehr groß erwähnt werden, aber in ihrem Grundsatz durchaus ein Meilenstein für die Menschheitsgeschichte waren? Nehmen wir einmal das Beispiel des Lesens und mixen es mit der allseits beliebten Sport- und Selbstoptimierungsapp runtastic.

Heraus käme eine App names readtastic. Die würde dann in den virtuellen Chroniken fröhlich verkünden: Anna hat gerade 35 Seiten gelesen und damit den Signalaustausch zwischen ihren Hirnregionen um 1 Prozent verbessert, sowie die Wahrscheinlichkeit dement zu werden um 1 Prozent gesenkt. *

In diesem Sinne: YOLO.

* hier handelt es sich natürlich um eine nicht wissenschaftlich nachgewiesene These. Wer valide Zahlen wissenschaftlich ermitteln möchte: Ich bin ganz Auge und Ohr! Aber ganz aus der Luft gegriffen ist die Grundlage nicht.

Zuhause

Sie summen,
schwirren und flirren.
Zu viele Gedanken
in meinem Kopf.

Ziellos,
planlos,
rastlos,
aufgeweckt und aufgeschreckt,
die Gedanken
in meinem Kopf.

Wirres Chaos,
Bewegung und Leben.
Ich mach’ kurz die Tür zu.
Vor der Welt da draußen.

Dann ist es still,
aufmerksam blicken sie mich an:
Meine Gedanken
in meinem Kopf.

Ich setze mich
in ihre Mitte.
Höre ihnen zu,
was sie erzählen,
und beobachten.

Und webe und flechte
das Chaos
in eine wärmende Decke.
Zuhause
in meinem Kopf.