Was zeichnet einen Reisenden aus?

Neugierde darauf, in der Fremde zu entdecken und zu erleben. Einen Ort mit der Heimat zu tauschen, der das Potential für neue Erlebnisse trägt. Egal ob eine andere Natur, eine andere Mentalität, andere Gerüche, Geräusche oder Farben. Eine gewisse Lust daran, etwas nicht zu (er)kennen, die eigene Stimme eine fremde Sprache sprechen hören und das Gefühl selbst fremd zu sein. Auch die Hoffnung mit einer Reise einen “Reset”-Knopf zu finden. Leer sein durch den Abstand zum Alltag, um neue Eindrücke aufzunehmen und sich dadurch selbst neu kennen zu lernen.

Und dann die Ankunft in der Fremde. Überwältigt sein von der Andersartigkeit. Unglaubliche Schönheit mit offenen Augen zu entdecken und die Naivität, vor Abgründen noch nicht automatisch die Augen zu verschließen, sondern mitten hinein zu blicken. Der Körper, eine durchlässige Membran, alle Sinneseindrücke wie ein Schwamm aufsaugend. Lost in Translation, fremde Laute hören, sich darin zurechtfinden. Aber auch hier – im Anders – Vertrautes erkennen. Sich selbst intensiver spüren, sich bewusst werden der ureigenen Regungen. Im Fremden sich so klar sehen, wo im Vertrauten sonst der Blick versperrt ist. Und gleichzeitig ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Was noch vorher Hemmnis war, ist nun vielleicht Chance.

Doch braucht es die Heimkehr des Reisenden, um den Blick für die eigene Entwicklung zu öffnen. Erst im Vertrauten offenbaren sich die Schätze der Reiseerlebnisse. Das Wissen was Heimat, was Wurzel ist. Und plötzlich Augen für die Schönheit der Routine haben: Die kleinen liebgewonnen Rituale, die Errungenschaften und die Stabilität des Gewohnten. Mit diesem neuen Blick auf Altes kommt die Zufriedenheit, wie eine warme Umarmung. Ruhe breitet sich im Reisenden aus und das Gefühl, gerade nirgendwo anders auf der Welt sein zu wollen als Zuhause. Genuss in diesem Zustand. Denn er wird sich wieder ändern. Und aus Ruhe wird neue Gierde auf all die Welten dort draußen, die noch nicht bereist wurden. Und der Reisende wird wieder rastlos im Moment, drängt zum Aufbruch. Um irgendwann wieder nach Hause zu kommen.

Ein Kreislauf der Vielfalt des Lebens. Wie glücklich sind wir, daraus schöpfen zu können.

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