Monthly Archives: April 2015

Teilchenbeschleuniger

Das Leben perlt,
mäandert und
plätschert,
bis plötzlich der
freie Fall
alle Wasserteilchen
beschleunigt.

Sie stürzen hinab,
sprühen vor
Übermut und
verdunsten im
Nichts.

Im Gurgeln
und Tosen,
hört das aufmerksame
Ohr: Geschichten
vom Wandel.

Im Sog und
im Strom
treiben wir dahin,
bis wir Meer
treffen.

Vereinigung unendlich.

Mittsommernacht

Ich gleite hinab,
falle auf Samt und Seide,
in den Traum von Dir.

Deine Silhouette,
ein Nachtschattengewächs
in meinem Traum.

Umrankt meine Haut,
eine sachte Liebkosung.
Berührung vertraut.

Violettes Schwarz umhüllt
unsere Bewegungen.
Faunenspiel dämpft unsere Klänge.

Ineinander verwoben
unsere Körper,
die Seelen schweben frei.

Im Traum bleibt
ein Geheimnis bewahrt.
In der Nacht bleiben wir versteckt.

Und als die Dämmerung
unser Spiel unterbricht,
beginnst Du zu träumen.

Verblendung

Betörend der Betrug der Sinne.
Täuschend echt im
Gefühl.
Von Hoffnung verzaubert,
funkelnde Lust,
prachtvoll ergossen
in Leidenschaft.

Blinder Taumel,
im Nebel auf Sicht.
Augen geschlossen,
Sehen wollte man nicht.

Von Erregung entflammt,
bezirzt der Narziss,
plötzlich verlockend
im Mittelpunkt
im Licht.

Berauscht von Bedeutung,
gebannt vom Gespräch.
Panzer und Ketten gesprengt,
ungläubig im Wandel,
Sehen will man nicht.

Nur Fühlen und
es fühlt sich gut an.
Wünsche und Hoffnungen
Narziss im Spiegel.

Im Nebel die Täuschung,
ein Irrlicht auf dem Weg.
Verblendung der Motor
des Glücks.

Kein Glücksspiel ohne Bluff.
Wahrheit sticht.

Blütenblatt

Zerbrechlich zart
flattert es auf meine Haut
nur ein Hauch
mit einem Wimpernschlag
schon wieder fort.

Perlig schimmert
Sonnenlicht durch
die Blütenmembran.
Adern, Lebenskraft.
Grell erleuchtet.

In der Sonne
welkt es schnell.
Filigran und fragil,
meine Berührung schon
zu viel.

Ein Windstoß
reißt es fort.
Lässt es trudelnd
zu Boden taumeln.

Ich will noch rufen
„Gib Acht!“
doch schon klebt
es unter einem
Absatz.

Freiheit

Loslassen und plötzlich
das Gefühl
für den luftleeren Raum.

Das, was bisher Halt war
sinkt auf Grund.
Wie ein Anker ohne
Ankerkette.

Bewegung fühlt sich
an wie führerloses Treiben.
Der Horizont entgleitet
dem suchenden Blick.

Sanftes Schaukeln
ohne Ziel und
ohne Heimathafen.

Offene Augen,
offenes Herz.
Schmerz.
Wandelt sich,
vom Ankergewicht befreit.

Balast über Bord geworfen.
Leinen los und Feuer frei.
Freiheit beginnt mit Abschied.

Was zeichnet einen Reisenden aus?

Neugierde darauf, in der Fremde zu entdecken und zu erleben. Einen Ort mit der Heimat zu tauschen, der das Potential für neue Erlebnisse trägt. Egal ob eine andere Natur, eine andere Mentalität, andere Gerüche, Geräusche oder Farben. Eine gewisse Lust daran, etwas nicht zu (er)kennen, die eigene Stimme eine fremde Sprache sprechen hören und das Gefühl selbst fremd zu sein. Auch die Hoffnung mit einer Reise einen “Reset”-Knopf zu finden. Leer sein durch den Abstand zum Alltag, um neue Eindrücke aufzunehmen und sich dadurch selbst neu kennen zu lernen.

Und dann die Ankunft in der Fremde. Überwältigt sein von der Andersartigkeit. Unglaubliche Schönheit mit offenen Augen zu entdecken und die Naivität, vor Abgründen noch nicht automatisch die Augen zu verschließen, sondern mitten hinein zu blicken. Der Körper, eine durchlässige Membran, alle Sinneseindrücke wie ein Schwamm aufsaugend. Lost in Translation, fremde Laute hören, sich darin zurechtfinden. Aber auch hier – im Anders – Vertrautes erkennen. Sich selbst intensiver spüren, sich bewusst werden der ureigenen Regungen. Im Fremden sich so klar sehen, wo im Vertrauten sonst der Blick versperrt ist. Und gleichzeitig ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Was noch vorher Hemmnis war, ist nun vielleicht Chance.

Doch braucht es die Heimkehr des Reisenden, um den Blick für die eigene Entwicklung zu öffnen. Erst im Vertrauten offenbaren sich die Schätze der Reiseerlebnisse. Das Wissen was Heimat, was Wurzel ist. Und plötzlich Augen für die Schönheit der Routine haben: Die kleinen liebgewonnen Rituale, die Errungenschaften und die Stabilität des Gewohnten. Mit diesem neuen Blick auf Altes kommt die Zufriedenheit, wie eine warme Umarmung. Ruhe breitet sich im Reisenden aus und das Gefühl, gerade nirgendwo anders auf der Welt sein zu wollen als Zuhause. Genuss in diesem Zustand. Denn er wird sich wieder ändern. Und aus Ruhe wird neue Gierde auf all die Welten dort draußen, die noch nicht bereist wurden. Und der Reisende wird wieder rastlos im Moment, drängt zum Aufbruch. Um irgendwann wieder nach Hause zu kommen.

Ein Kreislauf der Vielfalt des Lebens. Wie glücklich sind wir, daraus schöpfen zu können.

Frühlingserwachen

Die Erde roh von Winters Kälte,
meine Gedanken säen Samen
aus Leben, Lust und Fülle,
unter eiskalter Hülle.

Im Schnee verborgen,
Leere Landschaft.
Es keimt nichts,
alle Sonnenstrahlen gestorben.

Im ewigen Kreislauf,
liegt Hoffnung.
Kein Stillstand,
sondern Entwicklung.

Und mit dem Frühling,
treiben meine Gedanken,
die ersten zarten Triebe.

Stoßen durch die spröde Decke,
entfalten grüne, flaumig-weiche
Blätter.

Farbkleckse in der toten Landschaft,
versprechen Kraft und Leben
entfalten Pracht und Üppigkeit.
Kostbarkeiten.

Es wachsen Bäume der Erkenntnis,
tief verwurzelt in ihrem Anfang
in Gedanken,
Überwintern im stetigen Kreislauf.